Busverkehr in Kolumbien: Bus in Bogotá

Wer die Gefahr liebt, dem sei der Busverkehr in Kolumbien wärmstens empfohlen. Denn die Überschrift ist nicht nur für Passagiere Programm – auch die Fahrer scheinen sich manchmal einfach auf ihr Glück zu verlassen. Wer mal mit einem Reisebus auf einer engen, gewundenen Bergstraße unterwegs war, der weiß, was ich meine. Es kommt nämlich nicht selten vor, dass die Reifen haarscharf an einem hundert Meter tiefen Abgrund vorbeischlittern während der Bus kurz vor einer engen Kurve einen Lkw überholt. Verkehrsregeln und Überholverbote sind halt für Feiglinge. Selbst Kolumbianer scheinen in solchen Momenten nicht ganz die Ruhe selbst zu sein.

In Lebensgefahr, aber bequem

Wenn man sich jedoch einmal an den Fahrstil und die fehlenden Sicherheitsgurte gewöhnt hat, steht dem perfekten Reiseerlebnis nur noch der obligatorische Actionfilm in voller Lautstärke auf Spanisch im Weg. Trotz allem sind Busse eine der besten Möglichkeiten, in Kolumbien von A nach B zu kommen. Erstens sind sie unschlagbar billig, zweitens meist sehr bequem und drittens kann man sich gerade auf dem Fenstersitz stundenlang von fantastischen Landschaften umwerfen lassen.

Janina in einem Bus in Kolumbien

Fensterplätze sind heiß begehrt, denn die Aussicht ist oft grandios.

Zudem könnte es nicht einfacher sein, eine Busreise zu organisieren. Man lässt sich von einem Taxi zum zentralen Busbahnhof der Stadt bringen (manchmal gibt es auch zwei, dann ist etwas Recherche gefragt) und kauft dort einfach sein Ticket an einem der Schalter. Die angebotenen Zielorte stehen normalerweise im Fenster. Minimale Spanischkenntnisse sind sehr hilfreich. Dabei stehen eine Vielzahl von Busunternehmen zur Wahl, die alle ähnlich gut und preiswert sind. Besonders empfehlen können wir Bolivariano und Expreso Brasilia. Mit ein bisschen Glück funktioniert sogar das Wlan an Bord. Wer sich für die Fahrt noch mit Getränken oder Lebensmitteln eindecken will, der sollte das vorher tun, denn oft fährt der Bus nur Minuten nach dem Ticketkauf ab. Keine Ahnung, wie das funktioniert, wahrscheinlich liegt es einfach an der hohen Frequenz.

Selbst wer den Einkauf vergessen hat, ist nicht verloren, denn oft gleichen die Busfahrten reinen Verkaufsveranstaltungen. Irgendwo wird immer angehalten und geduldig gewartet, bis Verkäufer aller möglichen Lebensmittel jedem Fahrgast ihr Produkt unter die Nase gehalten haben. Einmal lief sogar einer mit frisch gegrillten Steaks durch den Bus. Ich wurde fast schwach, hatte aber ja meine Kekse. Neben den Verkäufern werden auch Entertainer gern in den Bus gelassen. So wurden wir mehrmals Zeugen rappender Imrpovisationskünstler, die jeden Fahrgast einmal auf die Schippe nahmen – und manchmal waren sie sogar richtig gut.

TransMilenio – in Bogotá geht’s ab

Auch innerhalb der Städte sind Busse die erste Wahl. In Bogotá gibt es seit einigen Jahren den TransMilenio, ein riesiges, modernes Bussystem, das sich durch die gesamte Metropole zieht. Die oft riesigen Busse haben eigene Spuren (meist sogar zwei) und kommen dadurch auch zur Rush Hour schnell voran. Allerdings gibt es so viele Linien, dass es nicht selten zu Staus auf den Busspuren kommt. Ein Nachteil ist das unübersichtliche Streckennetz. Es ist auch beim Blick auf die Übersichtskarten absolut nicht ersichtlich, welche Linie wohin fährt. Wer beispielsweise von seiner Unterkunft zum nördlichen Busterminal fährt, der muss auf dem Rückweg schon wieder eine andere Linie nehmen, obwohl die Strecke exakt die gleiche ist. Selbst Einheimische sehen da nicht durch. Glücklicherweise gibt es an den Busstationen Polizisten und TransMilenio-Angestellte, die man nach der richtigen Linie fragen kann. Auch hier helfen Spanischkenntnisse.

Ein Transmilenio-Bus in Bogota

Kürzere Strecken lassen sich auch mit kleineren Bussen zurücklegen. In Bogotá erkennt man sie am Schriftzug “Provincial” oder “Urbano” auf der Seite. Diese Busse sind oft sehr voll und für mich mit 1,89m auch zu niedrig zum Stehen. Das kann schnell unangenehm werden. Aus einer solchen Notsituation rettete mich eine ältere Dame, die mir ihren Platz anbot. Verkehrte Welt am anderen Ende derselbigen. Man kann diese kleineren Busse einfach am Straßenrand anhalten, vorausgesetzt, man kennt sein Ziel. Die wichtigsten Haltestellen stehen auf Tafeln in der Frontscheibe. So funktioniert es auch in anderen Städten. Wer sich auf die ganzen Ortsnamen auf den Tafeln keinen Reim machen kann, ist jedoch verloren und sollte eher ein Taxi nehmen.

Mittelstrecken-Bus in Kolumbien

In diesem Bus konnte ich aufgrund meiner Größe nur gebückt stehen.

Taxis gehen immer

Das ist sowieso ein gute Wahl, denn Taxis sind im ganzen Land günstig und verlässlich. Wichtig ist es, sich auf offizielle, gelbe Taxis zu beschränken. Gerade, wer aus einem Flughafen kommt und wie ein absoluter Gringo aussieht, wird oft von unglaublich seriös aussehenden Taxifahrern angesprochen, die Fahrten zu überhöhten Preisen anbieten oder noch weitaus Schlimmeres im Sinn haben. Es kam offenbar schon öfter vor, dass Touristen mit vorgehaltener Waffe gezwungen wurden, an verschiedenen Geldautomaten ihr Konto leerzuräumen.

Wenn man schließlich im Taxi sitzt, muss auf jeden Fall der Taxameter laufen. Wenn nicht, sollte man darauf bestehen und sich im Ausnahmefall zumindest vorher auf den Preis einigen. Aus den Anzeigen der Taxameter wird man übrigens oft nicht schlau. Manchmal zeigen sie den normalen Preis an, manchmal wird auf diesen noch ein Feiertags- /Nachtzuschlag erhoben. Oft laufen aber Zahlen durch, die man erst mithilfe einer Umrechnungstabelle in den wirklichen Preis umwandeln kann. Diese befindet sich normalerweise hinter dem Beifahrersitz in einer Tasche.
Ansonsten sind Taxifahrer meist sehr hilfsbereit und freundlich, helfen beim Gepäck und stellen viele nette Fragen – auf Spanisch, versteht sich. Bei der Ankunft haben uns Taxifahrer meist noch bis vor die Tür begleitet und abgewartet, bis wir sicher untergebracht sind. Die Fahrt muss jedoch nicht immer ein privates Vergnügen sein. In Cartagena lud der Taxifahrer unterwegs munter weiter Menschen ein, bis wir zu dritt auf dem Rücksitz dieses unfassbar kleinen Kia saßen.

Sammelsurium an Möglichkeiten

Je nach Größe des Ortes dienen auch andere Fahrzeuge als “Taxi”. In Guatapé zum Beispiel stehen auf dem Markt Dutzende Tuk-Tuks, richtige Taxis sucht man hier vergebens. In Salento waren es Pickups, auf deren Ladeflächen sechs bis acht Menschen untergebracht werden. Auf dem Weg ins abgelegene Cabo de la Vela wiederum fuhr ich in einem Allrad-Jeep eine Stunde lang durch die Wüste. Auf dem Rückweg teilte ich mir die Ladefläche eines Pickup-Trucks mit einem halben Dutzend Einheimischer. Die Fahrt war lustig – bis ein Sandsturm kam.

Auf einem Pickup-Truck durch die Wüste

Für längere Distanzen zwischen großen Städten sollte man auch die inländischen Flugverbindungen in Erwägung ziehen. Die sind zwar etwas teurer als der Bus, man spart sich aber doch eine Menge Zeit und Nerven. Wir sind mit Avianca von Bogotá nach Cartagena und von Riohacha nach Bogotá geflogen. Selbst für mich, der unter Flugangst leidet, war das unter dem Strich die beste Wahl. Dennoch ist der Busverkehr in Kolumbien auch auf längeren Strecken sicher, bequem und günstig.

Auch Fahrradfahrer sind in Kolumbien manchmal King of the Road, wie ihr hier lesen könnt.