Nach der etwas stressigen Hauptstadt Havanna, dem beschaulichen Bergort Vinales und dem verschlafenen Strandkaff Playa Giron ist Cienfuegos unser vierter Halt in Kuba. Die Stadt an der Südküste im Ostteil des Landes war uns auf Anhieb sympathisch. Mit ihren 170.000 Einwohnern ist sie übersichtlich und doch mit allem Nötigen ausgestattet. Hier fanden wir sogar eine Einkaufsstraße mit echten Geschäften.

Sehenswürdigkeiten und Gemütsruhe

Die Häuser im Zentrum sind in weitaus besserem Zustand als in Havanna und reichen von schick bis prachtvoll.

Zu besichtigen gibt es den Parque José Marti, umgeben von beeindruckenden Kolonialbauten, inklusive Museum (interessant, aber leider alles auf spanisch und nicht klimatisiert), Sandwichladen (lecker und günstig), mehrerer Kunstgalerien und dem Regionalparlament.

Auch Punto Gorda, ganz an der Südspitze einer kleinen Halbinsel ist einen Besuch wert. An diesem relaxten und romantischen Ort gibt es eine Badestelle, ein paar Essens-Stände und viele entspannte Kubaner. Wer im Zentrum wohnt, kann ein (Fahrrad-)Taxi nehmen oder mit Meerblick am Malecón entlang laufen (20-25 Minuten). Auf dem Weg haben wir einen Pelikan bei der Nahrungssuche im Meer beobachtet.

Einen einstündigen Bootsausflug entfernt ist das Castel Jagua. Wer deutsche Festungen kennt, wird wenig beeindruckt sein. Die Aussicht ist allerdings grandios und man kann sich gut vorstellen, wie feindliche Flotten schon früh Alarm auslösten.

Auch die 50-minütige Bootsfahrt selbst hat einiges zu bieten, denn man läuft mehrere Stationen an und teilt sich die Tour mit vielen Einheimischen. In der Nähe der Festung befindet sich übrigens das einzige Atomkraftwerk Kubas. Dessen Bau wurde schon vor vielen Jahren eingestellt und nie weitergeführt. Doch von verschiedenen Punkten im Ort sieht man das Gebäude in der Ferne.

Einen Besuch haben wir auch dem Friedhof abgestattet. Schließlich sammeln wir Selfies mit Gräbern berühmter Personen. Diesmal durften wir allerdings nur ganz kurz aufs Gelände, denn am Eingang drehte gerade eine merkwürdig geschminkte kubanische Band ein irgendwie makaberes Musikvideo.

Drei Nationen schufen ein Welterbe

Am schönsten ist es jedoch, einfach durch die Straßen zu schlendern und zu schauen. Nicht umsonst wurde das historische Zentrum 2005 zum Weltkulturerbe erklärt und ist damit eine von neun Welterbe-Stätten in Kuba. Laut UNESCO ist die Stadt eines der frühesten Beispiele für moderne Stadtplanung aus der Zeit der spanischen Aufklärung in Lateinamerika. Architektur, öffentliche Hygiene, Belüftung und viele weitere Elemente spielten von Anfang an eine wichtige Rolle.

Überall finden sich französische Einflüsse, denn schon vor der Stadtgründung durch Spanien im Jahr 1819 hatten sich hier französische Siedler niedergelassen. Im Parque Jose Marti gibt es sogar einen Triumphbogen, den einzigen Kubas, wie man uns stolz erzählte. Auch nach der Unabhängigkeit 1902 fügten die Kubaner neue Gebäude nahtlos in das Stadtbild ein. Sie sind fast nie höher als zwei Stockwerke.

Zudem finden sich in der ganzen Stadt (ähnlich wie in Trinidad) großartige Metallarbeiten, zu bewundern an Zäunen, Geländern und als Einbruchschutz vor Fenstern.

Leben wie in der Kolonialzeit

Unsere Unterkunft, empfohlen von Bekannten in Havanna, befand sich in einem schicken, wenn auch etwas kitschig eingerichteten Haus mit Dachterrasse und vielen Möbeln, die an die Kolonialzeit erinnern. Auch Olga, die Besitzerin war supernett und servierte ein grandioses Frühstück.

Die Lage des Hostal Olga ist fantastisch, denn jede interessante Ecke der Stadt konnten wir zu Fuß erreichen. Ein Grauen für die vielen aufdringlichen Taxifahrer, von denen uns einer versicherte, Laufen sei ungesund, während eine weitere Gruppe uns bescheinigte, dass Deutsche aufgrund ihres Geizes grundsätzlich schlechte Menschen seien.

Box-Olympiasieger oder Betrüger?

Ein bisschen Vorsicht ist vor den Jineteros, den kleinen Trickbetrügern, generell geboten. Sie sind zwar meist harmlos, aber  ziemlich nervig und versuchen vieles, um Touristen zu einer Taxifahrt oder einem Restaurantbesuch zu bewegen. Wir stießen auf einen nicht mehr ganz taufrischen Mann, der uns erzählte, er sei der Olympia-Sieger im Boxen von Rio 2016. Er sei auf der Durchreise auf dem Weg nach Trinidad und wolle nächste Woche zu einem Wettkampf in Italien. Und er hatte eine klasse Restaurant-Empfehlung. Wir ließen uns hinführen und waren nach einem Blick in die Karte ziemlich schnell wieder draußen. Wenigstens bot er uns eine wunderbar ausgeschmückte Geschichte.

Unser eigener, uneingeschränkter Restaurant-Tipp ist übrigens das Dona Nora auf dem wunderschönen Boulevard Paseo el Prado, der nicht weit entfernt in den Malecón übergeht. Super-Atmosphäre, dezente Livemusik, leckeres Essen und dazu noch eines der günstigsten in der Stadt, zumindest im Zentrum.