Colca Canyon

Klar kann man in den zweit-tiefsten Canyon der Welt einfach reinschauen und staunen. Oder man wandert zum Grund und in einem Gewaltmarsch wieder nach oben. Wir haben uns am Colca Canyon für Letzteres entschieden. Und es lohnt sich wirklich. Zumindest, solange man einen ordentlichen Grad an Fitness mitbringt.
Ausgangspunkt für unsere Zwei-Tages-Tour zum Colca Canyon war Arequipa. Die Stadt liegt ganz im Süden des Landes, mitten auf der klassischen Backpacker-Route. Das Stadtzentrum ist wirklich sehenswert und wurde im Jahr 2000 zum Weltkulturerbe erklärt. Zudem war grad 477. Stadtjubiläum, sodass wir auf dem Markt in den Genuss einer recht spektakulären Lichtshow kamen. Unter anderem gibt es hier auch die aufwändig kühl-konservierte Mumie eines Inkamädchens zu sehen, so eine Art Ötzi-Maid von Peru. Zwei-Tages-Touren zum Colca-Canyon kann man in zahlreichen Reisebüros buchen.

Gigantische Vögel in einmaliger Thermik

Die Fahrt beginnt gegen 5 Uhr morgens und ist etwa 100 Kilometer lang. Nach einem Frühstück in der Nähe des Canyons machten wir am Cruz del Condor Halt. Hier gibt es zahlreiche Andenkondore zu sehen. Die riesigen Vögel nutzen die ideale Thermik an dieser Stelle, um ruhig über dem Colca Canyon kreisen zu können. Ein wunderbarer Anblick. Nach weiteren 30 Minuten Fahrt hatten wir den Startpunkt unserer Wanderung erreicht.

Kondore am Colca Canyon

Abstieg mit grandioser Aussicht

Der Colca Canyon misst vom Rand bis zum Grund rund 1200 Meter und vom höchsten Berg aus sogar 3269 Meter. Zum Vergleich: der berühmte Grand Canyon ist etwa 1800 Meter tief. Unser Abstieg ging etwa 1000 Höhenmeter sehr steil nach unten. Die Aussicht ist atemberaubend. Wir mussten sie jedoch vorsichtig genießen, um nicht abzustürzen. Es war sehr warm und wir hatten wohl unterbewusst auf Fahrtwind gesetzt, denn unten mussten wir eine ganze Weile auf den Rest unserer Gruppe warten.

Colca Canyon

Nachdem alle ein bisschen ihre geschundenen Kniegelenke getröstet hatten, überquerten wir den Rio Colca am Grund des Canyons. Auf der anderen Seite gibt es mehrere Möglichkeiten. Unsere Führerin wählte den mit Abstand steilsten Weg. Dieser war jedoch auch der kürzeste.

So richtig abgeschieden leben

Mittlerweile war es früher Nachmittag und kurze Zeit später bekamen wir ein leckeres Mittagessen. Versorgt werden die Trekking-Gruppen von Einheimischen. Die wenigen Menschen hier leben in großer Abgescheidenheit. Der Weg zur Schule zum Beispiel ist sehr beschwerlich und kann nur zu Fuß zurückgelegt werden. Die Außenwelt erreicht man durch Aufstieg, oft unterstützt von Mulis. Es gibt auch eine schmale unbefestigte Straße, doch der Weg ist sehr lang und gefährlich.

Colca Canyon

Im Canyon leben die Menschen in großer Abgeschiedenheit.

Nach dem Essen wanderten wir rund 100 Meter über dem Grund des Canyons mehrere Stunden lang zu unserer Unterkunft. Wir konnten uns an den steilen Wänden kaum satt sehen. Der Weg unseres Abstieges sah von unten fast unmöglich aus. Nach mehreren Stunden erreichten wir eine Oase in der kargen Landschaft. Hier wurden wir in spärlichen Zweierhütten untergebracht. Der Abend war kurz, denn am nächsten Tag sollte es noch anstrengender werden. Dennoch fanden wir Zeit, den unfassbaren Sternenhimmel zu bewundern. Durch die große Abgeschiedenheit leuchten die Sterne unglaublich hell. Eingefasst von fast senkrechten 1000 Meter hohen Wänden ist das ein unglaublicher Anblick.

Extremer Frühsport zum Geburtstag

Am nächsten Morgen klingelte der Wecker schon halb fünf. Janina hatte Geburtstag und was gibt es da Schöneres, als mit einem gewaltigen Aufstieg zu starten? Erst danach sollte es Frühstück geben. Aus irgendeinem Grunde war ich an diesem Tage voller Energie und schaffte die 1000 Höhenmeter in nur zwei Stunden. Währenddessen fand ich Zeit, einen grandiosen Sonnenaufgang zu bewundern. Oben angekommen boten diverse Damen auf Decken ihre Waren feil und fanden unter den erschöpften Angekommenen reißenden Absatz. Nun hieß es warten, bis alle Gruppenmitglieder da waren. Bei dieser Aussicht war das jedoch absolut angenehm.

Sonnenaufgang am Colca Canyon

Nach dem Frühstück holten wir unser gesamtes Gepäck in einer Baracke ab. Wir hatten alles mitgenommen, weil wir gleich von hier zum Titicacasee weiter reisen wollten, statt wieder zurück nach Arequipa zu fahren. Ein Touristenbus fährt die direkte Route, deren höchster Punkt über 5000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Unterwegs hielten wir noch an einigen sehenswerten Orten an, darunter ein See voller Flamingos. Als wir in der Stadt Puno ankamen, war es schon dunkel. Wir checkten in unser Hotel ein und legten uns fast direkt nieder, denn Einschlafprobleme hatten wir an diesem Abend nicht.

Tourgruppe am Colca Canyon

Geschafft nach 2 Tagen. Unsere Tourgruppe am Colca Canyon.