Laos Hilltribe

Wer durch Laos reist, muss sich von vielen westlichen Vorstellungen verabschieden. Hier die krassesten Fakten über Laos.

1. Boote statt Autos

Laos hat keinen Zugang zum Meer. Dennoch ist das Land für Freunde des Wassers eine Wonne. Es gibt eine Menge Flüsse, darunter den gigantischen Mekong, auf denen es sich prima paddeln, tuben oder generell reisen lässt. Wir sind zwei Tage lang per Mekong-Slowboot von der thailändischen Grenze in die Stadt Luang Prabang gefahren. Es geht kaum entspannter. Weiter nördlich ist das hübsche Dorf Muang Ngoi sogar ausnahmslos per Boot zu erreichen. Straßen gibt es hier noch nicht. Flussfahrten sind relaxed und dank der vielen Berge landschaftlich so richtig eindrucksvoll. Vom Ufer winken und rufen Kinder und man sieht Wasserbüffel und abgelegene Dörfer vorbeiziehen. Einfach ein tolles Erlebnis.
Krasse Fakten über Laos: Mekong

2. Bergvölker: In der Mehrheit Minderheiten 

Viele der abgelegenen Dörfer gehören zu Stämmen diverser Bergvölker. Davon gibt es vor allem im bergigen Norden von Laos sehr viele. Insgesamt leben rund 50 Ethnien mit hunderten Untergruppen im Land. Die größten ethnischen Gruppen sind Lao, Khmu und Tai. Oft sind die Dörfer sehr einfach. Nicht immer gibt es Strom. Dafür laufen Unmengen Hühner und anderes Nutztier frei herum. Ein Khmu-Dorf haben wir auf einer Kajak-Tour von Luang Namtha aus besucht. Da sitzt noch der Schmied in seiner “Werkstatt” und stellt mit einfachsten Mitteln Macheten her. Aus Baumrinde werden Baumaterialien gemacht. Alles Handarbeit. Leben aus einer anderen Zeit.

3. Millionen von Blindgängern

Im Vietnamkrieg verhielt sich Laos zwar neutral. Da die Nordvietnamesen das Land aber ausgiebig für Nachschub nutzten, wurde es von den Amerikanern jahrelang bombardiert. Von 1964 bis 1973 wurden zwei Millionen TONNEN Bomben abgeworfen. Das sind 2,5 Tonnen Bomben pro Einwohner. Etwa dreißig Prozent davon blieben als Blindgänger im Boden. Bis heute gibt es regelmäßig Unfälle und schon im Vorschulalter wird Kindern das richtige Verhalten beim Buddeln, Feuer machen und Spielen beigebracht. Aufklärung und Räumung wird von vielen Industriestaaten finanziert. Die USA sind unfassbarerweise nicht dabei.

Überall finden sich entschärfte Bomben, meist zur Erinnrung, oft als Deko. Viel wird zu Gebrauchsgegenständen umgezimmert.

4. Burn Laos, burn

Einer der für uns störendsten Fakten über Laos ist die Burning Season. Von Januar bis März werden großflächig Felder abgefackelt, um sie für den nächsten Erntezyklus vorzubereiten. Das ist zwar illegal, aber die Behörden tun nix und die Bauern sind zu arm und schlecht gebildet, um das große Bild zu sehen. Das Resultat: Große Teile des Landes sind in eine einzige Rauchwolke gehüllt. Es brennt in den Augen und man kann die Landschaft nicht wirklich genießen, denn sie ist quasi verhüllt.

5. Wasser nachfüllen für die Umwelt

Abgesehen von der zeitweise schlechten Luft ist Laos auf einem guten Weg, sich beim Ökotourismus hervorzutun. Viel läuft konventionell, aber immer wieder sehen wir Hinweise gegen Müll im Allgemeinen, Plastik-Strohhälme im Besonderen und generell für Nachhaltigkeit. Auch Touranbieter werben oft mit Umweltschutz und der Unterstützung von Minderheiten. Wer selbst etwas Gutes tun – und dabei Geld sparen – will, der kann an zahlreichen Stellen in jedem noch so kleinen Ort seine Wasserflasche wieder auffüllen, statt sich eine neue zu kaufen. Das kostet für 1,5 Liter rund 20 Cent, für eine neue Flasche zahlt man 50 Cent. Was dabei an Plastik gespart werden kann, liegt auf der Hand.

6. Knigge würde schreien

Nun ein Kulturtipp: Wenn ein Laote in deiner unmittelbaren Nähe geräuschvoll die Rotze hochzieht und das Ergebnis genüsslich auf die Straße eumelt, dann ist dies … ganz normal. Wir konnten uns nie so richtig dran gewöhnen. Ob aus dem Busfenster oder auf den Fußweg, das Zeug muss offenbar raus. Und niemand hier stört sich daran. Vielleicht liegt es an dem ganzen Rauch in der Luft?

7. Franzosen, überall Franzosen

Die Kolonialzeit sorgt wahrscheinlich dafür, dass gefühlt 80 Prozent der Laos-Touristen Franzosen sind. Nirgendwo sonst auf der Welt haben wir so viele Touristen französisch reden hören. Dabei können Laoten im Normalfall eher Englisch als Französisch. Der Grund ist uns daher ein wenig schleierhaft. Auch die Küche hat sich angepasst und es gibt überall Baguettes und Crepes, wenn man will.

8. Erinnerung an Ossi-Zeiten

Laos ist eins der sehr wenigen Länder, in denen auch nach dem Zusammenbruch Anfang der 90er Jahre noch eine kommunistische Einparteienregierung an der Macht ist. Einiges erinnert uns Ossis auch an DDR-Zeiten. Zum Beispiel tragen Schüler blaue oder rote Halstücher, Schülerinnen dieselben Farben als Haarschleifen. Es liegt sehr nahe, dass es sich dabei um pionierähnliche Organisationen handelt. Ganz sicher bin ich mir aber nicht.

Schüler mit Halstuch in Laos

Rote und blaue Halstücher sind beu Schülern üblich.

9. L oder R?

Das Klischee vom Asiaten, der jedes R als L ausspricht, ist teilweise wahr. Wie oft wurde sich bei uns mit einem höflichen “Solly” entschuldigt. Hauptsättigungsbeilage ist “Sticky Leis”. Und selbst die Schrift ist vor der tückischen Verwechslungsgefahr nicht gefeit.

10. Die Kinder des Sticky Rice

Laos ist das Land mit dem weltweit höchsten Konsum an Sticky Rice. Einheimische nennen sich selbst “luk khao niaw”, was so viel heißt wie “Kinder des Sticky Rice”. Zubereitet und serviert wird der klebrige Reis in einem Reisdämpfer aus Bambus. Ein nettes, aber sperriges Mitbringsel. Beim Essen benutzt man die Hände und formt kleine Reisbällchen, die in Dips oder Soßen getunkt werden. Man kann sich auch eine Art Löffel formen und weitere Zutaten damit in den Mund schaufeln. Sticky Reis ist günstig und macht sehr satt. Nach einigen Wochen konnten wir ihn jedoch erstmal nicht mehr sehen.

11. Das beste Bier Asiens – mit deutschen Zutaten

Zum Runterspülen ein kühles Bier. Die Bier-Auswahl in Laos ist sehr klein. Aber wer braucht schon Auswahl, wenn es mit Beerlao eines der besten Biere der Welt gibt? Dessen Marktanteil in Laos liegt weit über 90 Prozent. Das Bier wird mit Reis gebraut. Hopfen und Hefe werden exklusiv aus Deutschland importiert. Die Laoten wissen eben, was gut ist. Kein Wunder, dass Beerlao schon diverse Preise gewonnen hat. Ich musste mich ein wenig zur Zurückhaltung zwingen, denn die Flaschengröße ist meist 640ml. Da kommt schnell was zusammen.