Dschungeltour in Ecuador

Nach Großstadtleben in Quito und vor dem bergigen Andenort Baños haben wir uns in Tena in den Dschungel gestürzt. Auf dem Plan stand eine zweitägige Regenwaldtour mit Gary, einem einheimischen Guide. Der Mann war wirklich ein Volltreffer. Er hat nicht nur viel Ahnung von Land, Natur und Leuten, sondern auch eine Menge witziger Geschichten auf Lager. Zum Beispiel behauptet er, ein Cousin des ecuadorianischen Präsidenten zu sein. Wir glaubten das nicht und wetteten dagegen, Das Ergebnis war unentschieden, denn Garys Frau Michelle war sicher, dass die Verwandtschaft tatsächlich besteht, aber nur zweiten Grades ist.

Affentheater am Strand

Außerdem ist Gary sehr umweltbewusst, was sich gleich auf der ersten Station unserer Tour zeigte. Am Strand des Flusses Rio Napo im Ort Misahualli kommt jeden Morgen ein Rudel Affen aus dem Dschungel und lässt sich von Einheimischen und Touristen füttern. Die Makaken sind sehr zutraulich und wenn man es richtig anstellt, klettern sie über Arme und Schultern der Besucher. Dafür lockt man sie mit ausgestrecktem Arm an und hält in der Hand des anderen Armes Weintrauben. Klappt prima. Gary musste jedoch mit ein paar anderen Touristen schimpfen, denn sie gaben den Äffchen Salzcracker – und die sind natürlich alles andere als gesund.

Tief im Dschungel

Nach einer weiteren halbe Stunde am Fluss entlang stiegen wir in ein Boot um. Dieses brachte uns zu unserer Unterkunft. Die Dschungellodge liegt einsam und sehr idyllisch am Rio Napo und bietet einen grandiosen Blick über Fluss und Urwald. Gerade der Sonnenuntergang lässt sich dort bequem von der Hängematte aus bewundern. Doch vorher unternahmen wir mit Gary eine zweistündige Wanderung. Bewaffnet mit einer Machete erklärte er uns eine Menge Pflanzen und deren Funktion für die Bewohner. Der Eisenbaum beispielsweise wurde von den Ureinwohnern zur Kommunikation verwendet, indem man mit einem Ast dagegenschlägt. Das Geräusch ist nicht zu verkennen. Die größte Gefahr geht tagsüber von Jaguaren aus. Wir haben keinen gesehen, doch Gary hielt unsere Nerven mit immer neuen Geschichten dennoch angespannt.

Tödliche Spinnen überall!

Gefährlicher wurde es am Abend, denn als es richtig dunkel war, gingen wir auf eine Nachtwanderung. Diese führte durch einen richtig schmalen, zappendusteren Pfad. Rechts und links fanden sich die fettesten (und wie Gary versicherte: tödlichsten) Spinnen, die man sich vorstellen kann. Gott sei Dank waren die meisten davon bereits beim Abendessen. Auch Schlangen gab es zu sehen. Für mich, der unseren Guide um fast einen Kopf überragte, lauerte die Gefahr in Kopfhöhe und mehr als einmal wäre ich beinah einer Spinne ins Netz gegangen, unter der alle anderen einfach durchliefen. Janina hielt sich hinter mir und blieb als Spinnenphobikerin wirklich tapfer.

Alle Arten Abenteuer

Früh am nächsten Morgen gingen wir auf Vogelbeobachtungstour, die allerdings keine der begehrten Tukane ans Licht brachte. Danach trafen wir uns mit einer, ich möchte sagen typischen, amerikanischen Familie (alle übergewichtig, zwei ziemlich nervige kleine Jungs, Vater spielte mit seiner Drohne, statt aufzupassen). Die Vier begleiteten uns für den Rest des Tages. Mit einem Boot fuhren wir dann diverse Stationen ab, darunter eine wunderschöne Schmetterlingsfarm und eine Aufnahmestätte für ausgesetzte Dschungeltiere. Mittags gab es ein Picknick am Fluss mit unfassbar gutem selbstgemachtem Kartoffelsalat.

Dschungeltour in Ecuador: Leben wie die Ureinwohner.

Auf der Dschungeltour in Ecuador demonstriert unser Guide Gary mit Janina das Leben der Ureinwohner.

Der Höhepunkt für mich war die Rückfahrt, denn wir blieben zwei Stunden auf dem Rio Napo und ich konnte ganz vorn auf der Spitze des Bootes sitzen und die Fahrt durch den Dschungel so richtig genießen.

Voll illegal unterwegs

Auch am Abend war das Abenteuer noch nicht vorbei, denn auf dem Rückweg nach Tena saßen wir mit Gary auf der Ladefläche eines Pickups, was offenbar verboten ist. Da die ganze Stadt aus irgend einem Grund voller Polizeikontrollen war, mussten wir uns permanent abducken und der Fahrer wechselte andauernd hektisch die Richtung. Doch alles ging gut und mit viel Dschungelwissen und gesättigt mit Abenteuern machten wir uns einen Tag später auf Richtung Berge nach Baños.