Wir sind jetzt siebeneinhalb Monate unterwegs und es ist Zeit für ein Zwischenfazit. Wir hatten schließlich bestimmte Erwartungen und wollen sehen, was damit geschehen ist. Hier nun mein “Stand der Dinge”. Janinas könnt ihr hier lesen.

Ein Jahr lang Sommer

Jetzt, im (europäischen) Winter ertappe ich mich gelegentlich beim sehnsüchtigen Gedanken an Schmuddelwetter, dem man in einem gemütlichen Café mit Freunden oder einem Buch Paroli bietet. Der eigene Biorhythmus ist halt doch ein wenig verwirrt und erwartet hinter jeder Ecke Eiseskälte und Gemütlichkeit, wie es sich für diese Jahreszeit gehört. Beschwerde soll dies keine sein, denn der einjährige Sommer war schließlich einer der Grundgedanken unserer Weltreise und Grundlage der Planung. Wir wollten überall die besten Reisezeiträume abpassen.

Sommer ist aber auch nicht immer das Gelbe vom Ei, denn oft ist es so heiß, dass man kaum etwas anstellen kann. Das war vor allem in Kuba und Australien so, wo wir in eine Jahrhundert-Hitzewelle geraten sind. Doch alles in allem freut sich mein Gemüt enorm über die ganze Sonne. Zudem kommen wir immer mal ins kühle Gebirge. Vor allem die Anden in Südamerika – und dort lag für uns gefühlt alles in den Anden – haben ein angenehmes Klima. In Kanada erlebten wir auch einen großartigen Herbst samt ordentlich Schnee Anfang November.

Ein Jahr lang ausschlafen

Gleich vorweg: Wir schlafen oft in den Tag hinein, aber lange nicht immer. Das macht aber nichts und die Gesamtschlafmenge ist mehr als ausreichend. Sehr früh aufstehen mussten wir natürlich bei einigen Flügen, aber auch für Tages-Touren. Besonders Bergtouren starten oft schon vor Sonnenaufgang. Zum einen, weil sie oft sehr lange dauern, zum anderen, um der Mittagshitze aus dem Weg zu gehen. Gerade in Südamerika sind wir mehrmals mehrere Tage in Folge weit vor 6 Uhr aufgestanden, zum Beispiel bei unserer Zweitages-Tour zum Colca-Canyon oder dem Inka Jungle Trail nach Machu Picchu. Auch beim Wwoofen und Housesitten verlangen die Pflichten manchmal frühes Aufstehen. In Hotels, Airbnb und Co. haben wir jedoch oft die spätest-mögliche Checkout-Zeit in Anspruch genommen.

Ein Jahr lang ausruhen

Das ist es definitiv nicht. Es klingt vielleicht blöd, aber reisen ist Arbeit. Man ist permanent damit beschäftigt, die nächsten Schritte zu planen, Flüge zu buchen, Unterkünfte zu vergleichen, Tagebuch zu führen, Blog zu schreiben. Nebenbei “muss” man dann auch noch tatsächlich reisen und so viel wie möglich sehen (siehe nächster Absatz). Das bedeutet auch im Schnitt jeden zweiten Tag seine kompletten Habseligkeiten aus- und wieder einzupacken, um sie dann zum nächsten Ort zu transportieren. Wahrscheinlich könnte man auch einfach rumlungern und nix machen. Doch wozu ist man dann unterwegs? Und wann bekommt man wieder die Gelegenheit, dieses oder jenes Land zu erkunden? Glücklicherweise sind Janina und ich uns oft einig, wann wir Action brauchen und wann es Zeit für Pause ist.

Ein Jahr lang staunen

Alter, wat ham wir gestaunt. Doch irgendwann lässt auch das größte Glücksgefühl nach. Aber der Reihe nach. In Kuba, unserer ersten Station, waren unsere Eindrücke noch mittel. Die Landschaft war interessant, der Sozialismus auch. Doch es war mega-heiß und man musste sich vorsehen, nicht abgezockt zu werden. Dann ging es richtig los: Kolumbien hat uns extrem überrascht. Sicher, freundlich, gute Infrastruktur, super Klima und wahnsinnige Landschaft. Ecuador hat uns mit seiner Vielfalt verblüfft. Kultur in der Hauptstadt Quito, Dschungeltour in Tena, Bergtour in Baños, Inseltour in Puerto Lopez – und das alles innerhalb von drei Wochen. Auch Peru war voller Höhepunkte, vollgestopft mit Welterbe und grandiosen Bergtouren. Die ganzen Anden haben mich mit ihrer Wucht immer wieder umgehauen und mega beeindruckt. In den USA staunten wir weiter: über die Filmwelten in Orlando und den überwältigenden Zirkus, der New York City heißt. Dann Kanada, mehr Staunen über die Rocky Mountains und ganz neue Erfahrungen beim Wwoofen.

Dann kamen wir in die Pazifik-Inselwelt: nach Hawaii, Fiji, Neuseeland und Australien. Die Höhepunkte wurden nicht weniger, doch unsere Aufnahmefähigkeit ließ plötzlich rapide nach. In Hawaii merkten wir erstmals, dass man nicht ewig staunen kann. Wir waren übersättigt, hakten träge Höhepunkte ab, die normalerweise für ein ganzes Jahr gereicht hätten und machten immer längere Pausen. Auf Fiji taten wir zwei Wochen lang fast nix und das tat sehr gut. Dann folgten drei Wochen Autotour in Neuseeland, 10 Tage Mietwagen in Australien und nochmal 8 in Tasmanien. Das alles ist unendlich geil, doch manchmal sind wir sehr müde und würden am liebsten nen Monat Pause machen. In Asien werden wir es langsamer angehen lassen…ganz bestimmt…

Ein Jahr lang interessante Leute treffen

Wer viel reist, trifft auch viele Menschen. Und darunter sind wirklich richtig interessante Typen: Weltreisende auf ein-Jahres-Honeymoon, Sprossenfarmer in Kanada, Bitcoin-Neureiche, Kitesurfer aus Las Vegas oder ein TV-Regisseur aus Österreich, der praktisch alles zu jedem Thema wusste. Zudem hatten wir die Gelegenheit, alte Freunde und in Janinas Fall auch Verwandte in aller Welt zu besuchen. Wiedersehensfreude, Insiderwissen des Landes, kostenlose Übernachtungen – es hat nur Vorteile, schonmal einen Anlaufpunkt zu haben und so viele tolle Leute zu kennen.

Andererseits trifft man viele Menschen nur sehr kurz, was oft in typischen Ausfrag-Dialogen über Herkunft und Reiserouten mündet. Darauf hat man nach ein paar Dutzend Mal keine Lust mehr. Das kommt phasenweise und führt dazu, dass wir auch mal ein paar Wochen keine großartigen Bekanntschaften machen. Gut, dass wir zwei uns dann selbst genug sind. Was mich zum letzten Punkt bringt.

Ein Jahr lang mit dem tollsten Menschen, den es gibt

Absolut. Das ist es, was diese Reise zum besten Erlebnis meines Lebens macht. Danke Janina :*

Inka-TRail Teilstück auf dem Inka Jungle Trail

Auf dem Inka Trail