Erfahrung Weltreise: Janina in Kanada

Wir sind seit gut sieben Monaten auf Weltreise – haben also ungefähr Halbzeit. Das ist doch mal ein guter Zeitpunkt, ein erstes Fazit zu ziehen bzw. den bisherigen Teil der großen Erfahrung Weltreise mal genauer zu durchleuchten. Und das mache ich, während mich eine ungewöhnliche Geräuschkulisse aus lauten Zikaden und Kakadu-Gekrächze umgibt. Normans Sicht nach sieben Monaten könnt ihr übrigens hier nachlesen.
Wir sind gerade in Australien, genauer gesagt in einem Haus in Warrimoo, etwa eine Stunde westlich von Sydney. Hier sind wir das erste mal unter die House- und Petsitter gegangen. Wir kümmern uns also um ein Haus samt Hund (Sally heißt die kleine weiße Wuscheldame) und können dafür umsonst hier wohnen. Aber ich schweife schon wieder ab. Also zurück zur Weltreise.

Reisen ist anstrengend

Kuba, Kolumbien, Ecuador, Peru, USA, Kanada, Fidschi und Neuseeland liegen hinter uns. Es ist der Wahnsinn, was wir alles in so kurzer Zeit gesehen haben, aber ich muss zugeben, dass wir etwas reisemüde geworden sind. So eine Weltreise ist nämlich verdammt anstrengend: Alle 2/3 Tage den Ort wechseln, planen wie man von A nach B kommt und was man dann alles in B machen kann. Ich habe trotzdem oft das Gefühl, etwas verpasst zu haben bzw. das Land gefühlt nur zu 5% gesehen zu haben. Denn es mag überraschen, aber unserer Erde ist verdammt groß und voller toller Orte. Nach so vielen Monaten rumreisen verschwimmen die besuchten Orte auch schon langsam. Wo haben wir nochmal diese eine tolle Wanderung um die Lagune gemacht? War das Kolumbien oder doch Ecuador?

Störende Sprachbarriere

Als wir den südamerikanischen Kontinent verlassen haben, konnte ich in zweierlei Hinsicht aufatmen. Erstens: Ich musste mich beim Essen nicht mehr einschränken. Denn als Vegetarierin ist es in Südamerika nicht ganz so leicht – machbar, aber eben nicht einfach. Und zweitens: Die unglaublich nervige Sprachbarriere war endlich weg. Wir haben zwar vor unserem Abflug noch einen kleinen Spanisch-Kurs an der Volkshochschule in Dresden gemacht, aber das reichte vorne vielleicht minimal, hinten aber kaum noch. In den USA, Kanada und Neuseeland konnte ich also wieder verstehen, was Leute miteinander oder mit mir besprochen haben. Herrlich!

Die erste Welt fetzt

Ich muss auch zugeben, dass ich ein großer Fan der ersten Welt bin. Nach drei Monaten mal mehr mal weniger Armut, Dreck, Gestank und eingeschränkter Lebensmittelauswahl habe ich zunächst nur Normi diese Erkenntnis gestanden. Ich bin kein dauerhafter Hardcore-Low-Budget-Reisetyp. Kurzzeitig ist das schon ok, aber um mich wirklich wohl zu fühlen, brauche ich ein schönes Zimmer mit eigenem Bad und ja, auch einen gigantischen Supermarkt mit überflüssig viel Auswahl an allem.

Nervige Standard-Fragen

Ich habe auf der Reise auch noch andere Erkenntnisse über mich selbst gewonnen – und die meisten sind nicht so schön. Ich hasse zum Beispiel mittlerweile Smalltalk. Ich kann die Standard-Fragen (Wo kommst du her? Wo wart ihr schon in Land XY? Etc.) einfach nicht mehr hören. Daher ist auch meine Sozialverträglichkeit rapide gesunken. Ich habe momentan echte Schwierigkeiten auf Menschen zuzugehen. Gut, dass ich Normi an meiner Seite habe. Er ist in der Hinsicht das genaue Gegenteil. Begeistert stürzt er sich in jede Unterhaltung (auch gerne trotz Sprachbarriere) und freut sich über soziale Kontakte aller Art. Ich dagegen brauche eine ganze Weile um warm zu werden – was bei unseren hochfrequenten Ortswechseln schwierig ist.

Eine alte Angst kehrt zurück

Eine weitere Eigenschaft aus Teenagerzeiten hat sich auch wieder an die Oberfläche gekämpft: Meine Insektenphobie. Ich dachte, ich hätte sie im Griff. Aber in einem Haus in Kolumbien waren einfach zu viele wirklich eklige Spinnen in unserem Schlafzimmer – da habe ich einen kleinen Rückfall erlitten und bin minimal hysterisch geworden. Aber ich bemühe mich wieder nicht gleich auszurasten, wenn mich etwas anfliegt oder ankrabbelt. In dem Zusammenhang stelle ich noch etwas anderes fest: Ich bin ein schrecklich ängstlicher Mensch und stelle mich unglaublich an mal aus meiner Komfortzone auszubrechen. Auch da ist es gut, dass ich Normi habe, denn der schubst mich manchmal in die richtige Richtung (was allerdings nicht immer klappt) .

Alleinsein ist ziemlich cool

Ich habe aber auch schöne Erkenntnisse über mich gewonnen: Ich bin in der Lage auch mal was alleine zu machen und dabei Spaß zu haben. Wandern zum Beispiel. Weil Normi krankheitsbedingt ausgefallen ist, habe ich in Neuseeland erstmals eine längere, wunderschöne Wanderung alleine gemacht. Auch alleine durch Städte spazieren macht mir nichts mehr aus. Ich muss mich nur sicher fühlen (was in der dritten Welt nicht der Fall war), dann ist alles gut.

Erfahrung Weltreise: Unsere Erde ist grandios

Die Welt ist voller netter und hilfsbereiter Menschen. Das haben wir in jedem Land wieder aufs neue festgestellt. Also eigentlich gibt es wenig Grund für mich so ängstlich zu sein. Bei all der Fremde, überkommt mich natürlich auch mal das Heimweh. Doch dagegen gibt es Dank Internet genug Heilmittel (Skypen, Youtube-Videos, Podcasts, Facebook etc.). Und noch etwas ganz wichtiges zum Schluss: Auch wenn wir im Dauer-Urlaub sind, brauchen wir Pausen – so wie jetzt gerade in Australien. Die kann ich mittlerweile auch ohne schlechtes Gewissen genießen. Apropos ich muss mal wieder: Netflix guckt sich nicht von alleine.