Nur einen Katzensprung von der boomenden Metropole Medellín entfernt liegt Guatapé, ein kleines Paradies abseits der ganz ausgetretenen Pfade. Hier finden Einheimische und immer mehr Touristen perfekte Erholung. Selbst wir, die schon sechs Wochen unterwegs (und damit im Urlaub) waren, haben uns in Guatapé mega wohlgefühlt.

Die Anfahrt aus Medellín ist einfach, was man nicht von allen Orten in Kolumbien sagen kann. Man lässt sich mit dem Taxi zum Terminal de Transporte Norte bringen und hat dort freie Wahl zwischen verschiedenen Busgrößen und Unternehmen. Die Fahrt dauert etwa zwei Stunden. Schon kurz nach unserer Ankunft in Guatapé unternahmen wir unseren ersten Spaziergang und waren begeistert. Der ganze Ort besteht aus schnuckeligen, bunten Häusern. Die meisten sind mit farbenfrohen, kreativen Reliefs verziert. Voll 3D!

Ein bunter Brunnen in Guatapé

Ein bunter Brunnen in Guatapé.

Am Malecón, so werden in Südamerika alle Strandpromenaden genannt, lässt es sich wunderbar flanieren oder schlemmen, während man Wassersportlern, Ausflugsbooten oder einfach nur der Sonne beim Untergehen zusieht.

Einzigartige Landschaft um Guatapé

Richtig beeindruckend ist jedoch die Umgebung von Guatapé, denn die Stadt liegt inmitten des künstlichen Seengebietes Embalse-Peñol-Guatapé, das durchsetzt ist von Inselchen, Halbinselchen, Buchten und Landzungen. Das ganze ist noch immer relativ einsam. Nur im Hafen an der Strandpromenade tummeln sich einige Jetskis, Ausflugsboote und teils kuriose Wassergefährte für Touristen. Am interessantesten fanden wir eine motorbetriebene Gummireifen, in denen man über das Wasser düsen konnte. Auch eine mehrere hundert Meter lange Zipline von einem nahegelegenen Hügel mitten in den Hafen sorgt für gute Aussicht.

Ein buntes Kinderkarussel in Guatape.

Ein buntes Kinderkarussel in Guatapé.

Auch wir wollten aufs Wasser und entschieden uns für ein Kajak. Und tatsächlich: Sobald wir den Ort nicht mehr in Sichtweite hatten, waren wir völlig allein. Zwei Stunden lang umrundeten wir kleine einsame Inseln, ließen uns trieben und genossen absolute Ruhe in einer fantastischen Umgebung. Zum Betreten sind die Inseln jedoch bisher nicht geeignet, denn es geht relativ steil bergan und eine Art niedriger Dschungel wächst bis an das Wasser heran. Daran, dass Kolumbien nicht zur ersten Welt gezählt werden kann, erinnerte uns bei der Rückkehr das halb versunkene Ausflugsschiff im Hafen, bei dessen Untergang im Juni mehrere Menschen ums Leben kamen.

Ein halb untergegangenes Schiff.

Ein halb untergegangenes Schiff.

Monolith mit Mega-Aussicht

Hauptattraktion der Gegend ist jedoch der El Peñol, ein rund 200 Meter hoher Felsen, an dem über 740 Stufen angebracht sich, die man selbst bewältigen muss, wenn man nach oben möchte. Und das solle man, denn die Aussicht ist überwältigend. Die Taxifahrt dauert 10 bis 15 Minuten. Schon aus der Ferne sieht der Monolith beeindruckend aus.

Der Eintritt kostete 18.000 Pesos (umgerechnet knapp sechs Euro). Gelesen und gehört hatten wir von 10.000 und 15.000 Pesos. Der Preis scheint also rasant zu steigen. Auf dem Weg nach oben sind immer wieder Warnschilder mit einer Notrufnummer für Schwindel-, Erschöpfungs- und Übelkeitsattacken angebracht. Ob man in einem solchen Fall einen Helikopter geschickt oder einfach einen Seelsorger in die Leitung bekommt, haben wir lieber nicht ausprobiert.

Bratwurst-Penisse und Escher

Blick vom Felsen El Penol auf den künstlichen See Embalse Penol Guatapé.

Oben gibt es einen Turm, dessen Spitze eine Aussichtssplattfom der Superlative zu bieten hat. Die Etagen darunter beherbergen Souvenirshops, die “landestypische” Kunst wie Bratwurst-Penisse aus Gummi und Hundehaufen aus Plastik feilbieten. Wer sich an der Seen- und Insellandschaft sattgesehen hat, kann sich an einem der Stände am Fuße des Turms stärken, oder den Abstieg über eine separate Treppe in Angriff nehmen. Hier geht es teilweise so verwinkelt zu, dass man sich vorkommt, wie in einem Escher-Bild. Für die Rückfahrt in den Ort warten schon Tuk-Tuk-Fahrer am Fuße des Felsens.

Treppe abwärts vom El Penol

Ähnlich wie Salento, ein weiterer unserer Lieblingsorte, geht es in Guatapé touristisch zu, aber in überschaubarem Ausmaß. Das heißt, es gibt genügend Restaurant- und Streetfoodoptionen, für günstige Taxis (meist Tuk Tuks) ist gesorgt und man kann sich zu jeder Zeit sicher fühlen. Dennoch ist niemand aufdringlich. Das könnte sich in den kommenden Jahren vielleicht ändern, denn es wird viel gebaut wenn auch bisher dezent. Die überwältigende Umgebung wird wohl bald mehr als erholungsuchende Medellíner und ein paar Backpacker anlocken.