Taroko nach Hualien

Nach vier Tagen in Taitung sind wir wir erneut in den Zug  gestiegen und rollten nordwärts entlang der Ostküste Taiwans nach Hualien. Die Zugfahrt ist superbequem und führt durch unzählige Tunnel und grüne Täler. Nach etwa dreieinhalb Stunden (je nach Zug) erreicht man die entspannte 110.000-Einwohner-Stadt. Der Höhepunkt hier ist ein Trip von Hualien nach Taroko.

Kampfjets – Wie im Krieg

Eines der auffälligsten Merkmale Hualiens ist der permanente Donner von Kampfjets über den Dächern. Denn hier befindet sich ein Militärflughafen und es gibt aufgrund der Spannungen mit China aktuell dauernd Manöver. Die Einwohner schienen an die Jets gewöhnt. Wir hätten wohl etwas länger als unsere vier Tage gebraucht, wohnten wir doch direkt in der Einflugschneise.

Hualien war auch Ort eines schweren Erdbebens im Februar dieses Jahres. Es gab 17 Tote und 280 Verletzte und massive Sachschäden. Doch die Taiwaner sind emsig und so waren kaum noch Spuren der Erdbebenschäden zu sehen. Eine Folge des Bebens war das Ausbleiben von Touristen. Da wir chinesische, koreanische und japanische Touristen aber sowieso kaum von Taiwanern unterscheiden können, fiel das kaum auf. Westler waren aber tatsächlich kaum zu sehen.

Kugelrund auf dem Nachtmarkt

Jede Stadt in Taiwan hat einen anständigen Nachtmarkt zu bieten. Der in Hualien ist jedoch besonders toll. Er liegt fast direkt am Meer auf dem Gelände eines alten Bahnhofs, von dem nur noch wenig übrig ist. Es gibt unzählige Leckereien zu probieren, von Kartoffelbrei-Omelett über dicken gefüllten Toast bis zu gegrillten lokalen Würstchen und Fleischspießen aller Art. Einziger Nachteil: die regelmäßig durchziehenden Stinktofu-Wolken. Der Name sagt alles. Das Zeug wird monatelang in einer Gewürzlake fermentiert und von Einheimischen wirklich gerne gegessen. Stinkt aber tatsächlich wie die Pest. Obwohl vegetarisch, konnte ich Janina nicht überreden, den stinkigen Tofu zu probieren.

Hualien nach Taroko

Kartoffelbrei-Omelettt mit Kimchi auf dem Nachtmarkt von Hualien. Davon konnten wir nicht genug bekommen.

Von Hualien nach Taroko: Staunen in der Schlucht

Das wirkliche Highlight eines jeden Hualien-Besuchs ist die Taroko-Schlucht im gleichnamigen Nationalpark. Eine halbstündige Fahrt vom Zentrum entfernt, gibt es hier fantastische Landschaften zu sehen. Man kann Touren von Hualien nach Taroko buchen. Doch günstiger ist man auf eigene Faust unterwegs. Denn auch ein Touri-Shuttle fährt von Hualien nach Taroko und hält an mehreren Stationen in der Schlucht. Es gibt ausgedehnte Ganztageswanderungen, für die man sich aber meist eine Erlaubnis besorgen muss.

Wir entschieden uns für eine acht Kilometer lange Wanderung in eines der Seitentäler namens Shakadang. Ein in den Fels gehauener Weg führt in ein Flusstal. Entlang des gesamtes Weges liegen gigantische Felsen im glasklaren Wasser. Nach vier Kilometern nimmt die Zahl der Touristen erheblich ab. Es lohnt sich also, bis zum Ende zu gehen, auch wenn der “Umkehrpunkt” ziemlich belanglos ist. Hier trafen wir auf einmal auch grüppchenweise Deutsche, denn praktisch alle Asiaten waren zur Halbzeit umgekehrt.

Taroko Schlucht Shakadank Trail

Jiuqudong – Ein gigantischer Anblick

Das Touri-Shuttle fährt nur stündlich und man muss daher ein Auge auf den Fahrplan haben. Wir schafften es gerade so zurück zum Bus und fuhren tiefer in die Schlucht. Da die Chinesen offenbar mit eigenen Reisebussen anrücken, gab es hier tatsächlich auch ein paar mehr Westler zu sehen. Ein ziemlich verpeilter Ami saugte all unser spärliches Wissen über die Gegend auf, denn er war am selben Tag aus Taipeh gekommen und hatte sich null informiert. Kann man auch machen.

Unser zweiter großer Halt war der Jiuqudong-Trail (zu deutsch: Tunnel der neun Wendungen). Ein halboffener Fußgänger-Tunnel zweigt hier von der Straße ab, um Touristen einen Blick zwischen die imposanten Klippen zu ermöglichen. Unten fließt ein Fluss und auf der gegenüberliegenden Seite finden sich fast perfekt runde Löcher in der Felswand, deren Ursprung nicht ganz geklärt ist. An diesem gigantischen Anblick konnten wir uns kaum satt sehen. Gut, dass wir unseren Bus diesmal verpassten und somit ein wenig mehr Zeit an diesem wunderbaren Ort hatten. Die Tour von Hualien nach Taroko ist ein absolutes Muss.

Taroko National Park

Radeln durch Hualien

In Taiwan konnten wir verstärkt einer lange vermissten Beschäftigung nachgehen. Dem Radeln. Überall sind Radwege für Touristen und auch Einheimische angelegt. Und so stand am nächsten Tag eine ausgedehnte Radtour auf dem Programm. Naja, so ausgedehnt, wie man mit langen Beinen auf einem viel zu niedrigen Sattel halt radeln kann. Dabei sind die Taiwaner im Schnitt gar nicht so klein. Empfohlen wird ein Weg entlang der Küste, weswegen wir erst einmal die komplette Stadt durchquerten, um zu dessen Anfang zu gelangen. Der Küstenweg führt in einem Bogen nach Süden um die Stadt, vorbei an einer Menge riesiger Fabriken und relativ öder Landschaften, bevor man ins Zentrum kommt. Dort gibt es verschiedene Parks am Meer und Streetart zu bestaunen. Generell findet sich in Taiwan viel Kunst im öffentlichen Raum. Das ist etwas, von dem man gar nicht merkt, dass mans vermisst, bis man in den Genuss kommt. In Thailand, Laos und Vietnam war die Kunstdichte relativ gering.

Kunst in Hualien

Kunst in Hualien

Nach dem Zentrum führt der Weg ziemlich schnell in eine dörfliche Gegend. Vorbei an Feldern und Bauernhöfen verließen wir schließlich die Küste und nahmen Kurs auf den Liyu Lake südöstlich der Stadt. Auf der Karte war schon abzusehen, dass es steil würde – und wir wurden nicht enttäuscht. Gerade auf so mittelprächtigen Fahrrädern sind die letzten sieben Kilometer zum See eine echte Herausforderung. Dafür hat die kleine Straße kaum Verkehr und man fährt (oder schiebt) durch eine hübsche Waldlandschaft, vorbei an einem Mini-Kloster.

Hualien nach Taroko

Die Radwege sind super ausgebaut. Manchmal muss man aber auch in den Verkehr.

Liyu Lake – Natur und Ruhe

Der Liyu Lake selbst ist ebenfalls von einem Radweg umsäumt. Diese fünf Kilometer haben wir uns nicht entgehen lassen. Die Strecke ist sehr idyllisch, überall biegen kleine Wanderwege ab. Und es gibt Affen zu sehen – zumindest, wenn man die Augen offen hält. Bei einer Pause beobachteten wir riesige Schmetterlinge, eine vorwitzige Raupe und anderes unaufdringlich-interessantes Kleingetier.

Lake Liyu

Auf dem See trainierten muskelbepackte Taiwaner im Einer-Kanadier. Mit denen sollte man bei den nächsten Olympischen Spielen rechnen. Insgesamt hat der See samt dem Örtchen am Ufer das Flair eines entspannten Kurortes für alte Leute – und das ist nur positiv gemeint. Insgesamt war unsere Radtour an diesem Tag etwa 60 Kilometer lang und wir fielen mit wunderbaren Eindrücken und ziemlich kaputt ins Bett.

Am nächsten Tag ging es auch schon weiter nach Nordosten, in den wunderschöne Bergdorf Jiufen. Doch das ist eine andere Geschichte.

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