Reiseroute durch Kolumbien: Kitesufen in Cabo de la Vela

Wer gerne kitesurft und absolut keinen Luxus benötigt, hat in Cabo de la Vela den perfekten Ort gefunden. Dieses Strandkaff liegt an der kolumbianischen Pazifikküste und kann sich perfekter Bedingungen zum Kitesurfen rühmen. Es gibt hier fast den ganzen Tag lang guten, ablandigen Wind und absolut ruhiges, flaches und natürlich warmes Wasser.

Ein Abenteuer für sich: Die Anreise nach Cabo de la Vela

Um in den Genuss dieser Bedingungen zu kommen, muss man jedoch eine abenteuerliche Anreise in Kauf nehmen. Cabo de la Vela liegt mitten in der Wüste und ist nur durch mehrmaliges Umsteigen erreichbar. Janina, die sich weder für noch fürs Kitesurfern begeistern kann, blieb in Santa Marta und erkundete die Umgebung. Die erste Etappe war eine dreistündige Busfahrt in die Stadt Riohacha. Dort ließ mich der Busfahrer am staubigen Straßenrand raus und ich musste den Busbahnhof mit all meinem Gepäck zu Fuß finden. Von dort geht es weiter mit dem Taxi nach Uribia, wie ich nach einigen Erkundigungen herausfand. Offiziell sah dieses Taxi nicht gerade aus, aber als diverse Einheimische einstiegen, darunter eine Mutter mit Kind, war ich guten Mutes. Und tatsächlich: Nach zwei Stunden halsbrecherischer Fahrt spuckte mich das Taxi an einer Kreuzung am Rande von Uribia erneut an den Straßenrand.

Hier wartete der Fahrer eines Allradjeeps schon auf “Kunden”. Allerdings wollte er erst los in Richtung Cabo de la Vela, wenn sich genügend Mitfahrer gefunden haben. Also wartete ich anderthalb Stunden in brütender Hitze, bis der Jeep voll war. Die Fahrt nach Cabo dauert erneut knapp zwei Stunden und führt mitten durch eine absolut flache Wüste, auf der man kaum die Spuren der Piste erkennen kann. Und so fahren die spärlichen Autos auch kreuz und quer, ohne sich über den Verlauf der Straße einig zu sein.

Der Luxus in Cabo de la Vela liegt versteckt

Cabo de la Vela selbst ist nicht mehr als eine Staubstraße am Strand, an er sich rechts und links ein paar Verschläge befinden, die entfernt an einstöckige Häuser erinnern. Mein Hostel lag direkt neben der Kiteschule am Nordende des Ortes. Es gab fließendes Wasser, was den Surfern, die direkt in der Schule in Hängematten übernachten, nicht vergönnt ist, genauso wenig wie den meisten anderen Menschen im Ort. Strom ist von 18-22 Uhr verfügbar.

Downtown Cabo de la Vela

Downtown Cabo de la Vela

Ich teilte mir ein Zimmer mit Steve, einem netten, etwas durchgeknallten Geschäftsmann aus Las Vegas, der extra aus Ecuador anreiste, um hier zu surfen. Das genügsame Leben hier war für ihn kein Grund, auf diese Bedingungen zu verzichten. Und auch ich merkte schnell, dass man den meisten Luxus unserer Zivilisation nicht wirklich braucht. Ein gutes Buch, Wasser, ab und zu eine Mahlzeit, Strand und Kiten können völlig ausreichen – zumindest für die fünf Tage, die ich dort verbrachte. Nette Gesellschaft ist dabei natürlich obligatorisch, aber die findet man an solchen Orten fast automatisch.

Cabo de la Vela: Steve war ein mehr als unterhaltsamer Mitbewohner.

Cabo de la Vela: Steve war ein mehr als unterhaltsamer Mitbewohner.

Kiten, Kiten, Ki…zuschauen

Die Kiteschule Kiteaddict wird von Martin geführt, der diesen Spot entdeckte und damit den Ort aus seiner Lethargie riss. Jeder kennt ihn hier, jeder bezeichnet ihn als Freund und jeder ist ihm dankbar für die vielen Kitesurfer, die mittlerweile hierherkommen. Davon profitieren mittlerweile mehrere Kiteschulen im Ort. Zudem gibt es eine überschaubare Anzahl an Hostels und einige Restaurants, von denen ich jedoch keines als wirklich gut bezeichnen würde.

Cabo de la Vela: Sprung beim Kitesurfen

Halsbrecherische Sprünge gibt es in Cabo de la Vela ununterbrochen zu sehen.

Mein Kitelehrer, Ompi, ist ebenfalls Kolumbianer und studiert in Cartagena. Für viele Kitelehrer ist diese Kombination ideal, denn so lässt sich das Leben und das

Cabo de la Vela: Verletzung beim Kitesurfen

Dumm aufs Board geflogen…

Studium gut finanzieren. Manche Bewohner des Ortes scheinen jedoch tagein tagaus nichts anderes zu tun, als zu kiten. Entsprechend hoch ist hier das Niveau. Gigantische Sprünge und richtig irre Kunststücke sind an der Tagessordnung. Dazu gehört auch der “Jesus Walk”, bei dem man springt und in der Luft das Board in die Hand nimmt, um mit den Füßen über das Wasser zu “rennen”.

Ich hatte viel Gelegenheit, mir diese irren Manöver anzusehen, denn schon am ersten Tag schnitt ich mir den Fuß an einer Koralle auf und konnte nur noch humpeln, so dass die Motivation zum Selbersurfen extrem sank. Ich bewältigte zwar den Start und die ersten 50 Meter – dann jedoch fehlte es an der nötigen Kontrolle. Nach einem üblen Sturz an Tag zwei, der meinen bösen Meniskus reizte (die Schramme an meinem Schienbein ist auch zwei Monate später noch gut sichtbar) ließ ich es bewenden und war froh, einige Male auf dem Board gestanden zu haben.

Richtig gute Stimmung in Cabo de la Vela

Trotzdem war die Zeit grandios, ich traf unglaublich interessante Menschen und konnte so richtig abschalten. Die letzte Nacht schlief ich in einer Hängematte in der Kiteschule. Hier treffen sich Kiteschüler, Lehrer, Freiwillige und ein paar verirrte Touristen zu einem bunten Leute-Mischmasch. Alle kochen zusammen, erzählen und genießen das Leben. Später am Abend wurden mir von einem sehr gläubigen Chilenen die Tarot-Karten gelegt, was mich sehr amüsierte.

Nach fünf Tagen freute ich mich dennoch sehr auf Zivilisation und natürlich auf Janina, die in der Zwischenzeit Santa Marta und Umgebung erkundet hatte. Nach einer mehrstündigen Rückfahrt durch Wüste, Sandsturm und holprige Straßen erreichte ich Riohacha, wo wir uns trafen und endlich in die Arme schlossen.