Mission in kurz: Klettert auf den Hügel Monserrate in Bogotá und macht ein Selfie vor einem bestimmten Hintergrund.

Lieber Frank,

ein Aufstieg von 2.700 auf 3.200 Meter Höhe auf einer Strecke von zwei Kilometern. Das ist sehr steil und – wenn man die Höhe nicht gewohnt ist – sehr anstrengend. Wir haben etwas über Stunde gebraucht und liegen damit ganz gut im Durchschnitt. Aber als “Hügel” würden wir das nicht unbedingt bezeichnen.

Der Weg auf den Monserrate, den Hausberg Bogotás, wird nicht nur in Reiseführern, sondern allen möglichen Internet-Artikeln als gefährlich beschrieben. Ist er aber nicht. Im Gegenteil: Es handelt sich im Endeffekt um eine komplett durchorganisierte Route, die hauptsächlich aus Treppen besteht. Auf dem Weg finden sich immer wieder Verkaufsstände und bewaffnete Sicherheitsleute. Erst im Mai 2017 wurde die letzte Generalüberholung abgeschlossen. Zum Aufstieg geöffnet ist der Weg übrigens nur bis 13 Uhr.

Ich glaube, Touristen nehmen lieber die Draht- oder die Standseilbahn zum Gipfel, aber für Kolumbianer scheint der Fußmarsch eine Art Sonntagsausflug zu sein (wir hatten Samstag, aber es war ähnlich voll). Wir trafen auf dem Weg nach oben Familien, Pärchen und Jogger. Ja Jogger! Während wir uns nach Luft schnappend vorankämpften, hüpften sie, ebenfalls schnaufend, an uns vorbei. Einige von ihnen schienen schon weit über 70 zu sein, aber vielleicht sind sie auch einfach durch die Anstrengung gealtert. Der Rekord für die Strecke liegt angeblich bei 18 Minuten.

Die besten Bilder als Galerie:

Auch wir, die grade aus dem drückend heißen Kuba angekommen waren, freuten uns über die Anstrengung bei angenehmen Temperaturen – und die Belohnung dafür war grandios. Schon nach einem Viertel der Strecke lag uns die halbe Stadt zu Füßen, weiter oben wirkte selbst das höchste Gebäude Kolumbiens, das 260 Meter hohe Bacata Center, wie eine Streichholzschachtel. Auf dem Gipfel breitet sich fast die gesamte Acht-Millionen-Stadt samt dahinter liegender Berge vor einem aus.

Oben steht eine beeindruckende Kirche, die schon im 17. Jahrhundert gebaut wurde. Da wir ziemlich genau um 12 Uhr Mittags ankamen, war gerade Gottesdienst, der dank Außenlautsprechern über das ganze Areal schallte. Nebenan gibt es zudem eine 500 Meter lange Nachstellung des Kreuzweges. Ich als alter Atheist habe dies tapfer bis interessiert durchgestanden. Hinter der Kirche erstreckt sich eine Art Souvenir- und Fressmeile, die dem ganzen etwas seinen Zauber nimmt. Aber das Essen tat gut. Danach machten wir uns auf die Suche nach deinem Selfie-Spot. Es dauerte eine Weile, aber ich glaube, es sieht einigermaßen so aus, wie du es vorgegeben hast. Unten rechts ein paar Downtown-Hochhäuser, im Hintergrund die Autobahn, links die terrassenförmigen Ausläufer des Nachbarberges Guadalupe (3.317 Meter).

Neben der Schwebebahn fährt auch eine Standseilbahn auf den Gipfel und wieder hinunter (eigentlich fast wie in Dresden), aber wir haben dann auch den Abstieg zu Fuß in Angriff genommen. Diesmal lag das Panorama direkt vor uns und es ging auch weitaus schneller. Unsere Unterkunft lag nur 10 Minuten vom unteren Ende des Weges entfernt. Wir konnten die gesamte Mission also zu Fuß erledigen. Das verdient doch mindestens einen Sonderpunkt, oder?

Viele Grüße,

Norman