Affe bei Donghe an der Ostküste Taiwans

Taiwan ist halb so groß wie Bayern, hat aber fast doppelt so viele Einwohner (639 pro km²). Die großen Bevölkerungszentren befinden sich jedoch an der Westküste. Genau genommen muss es hier wie im Taubenschlag zugehen. Denn wir sind an der Ostküste Taiwans nach Norden gereist und haben vor allem grün gesehen:bewaldete Berge, Schluchten, Flusstäler und Felder. Das Land wirkt hier entspannt, selbst in Städten fühlt es sich beinah dörflich an.

Nach einem Abstecher in den Kenting Nationalpark an der Südspitze der Insel nahmen wir den Zug nach Taitung im Südosten. Bei der Zugfahrt fielen uns vor allem die vielen kilometerlangen Tunnel auf. Ganz Taiwan ist sehr bergig und die Menschen hier sind offenbar Meister im Bau von Tunneln. Dazwischen geht die Fahrt durch saftig grüne Täler und schließlich an der Küste entlang. Schöne Strände gibt es an der ganzen Ostküste kaum. Meist ist es kieselig oder gar steinig. Große Abschnitte der Küste sind malerisch bis dramatisch zerklüftet. Schwimmen ist aufgrund der Meeresströmungen sowieso meist verboten.

Elefanten aufm Fahrrad

Zeit also, sich auf Radtouren und Wanderungen zu verlegen. Dafür gibt es an der Ostküste Taiwans Umengen an Möglichkeiten. Viele Unterkünfte stellen kostenlos Fahrräder zur Verfügung. Für größere Strecken lohnt sich die Mopedleihe. Dafür braucht es jedoch einen internationalen Führerschein mit Motorrad-Lizenz. Die Mopedvariante ist hier nicht im B-Klasse-Führerschein inbegriffen. Daher konnten wir nur wirklich mickrige Elektroscooter leihen. Diese haben eine lächerliche Reichweite (20-30 Kilometer, meist gibt es aber Ersatzbatterien) und können manchmal nicht schneller als 30 km/h fahren. Für zwei Personen sind sie zudem viiieel zu klein. Und schon für einen Standard-Berganstieg sind sie zu schwach auf der Brust.

Mopedtour an der Ostküste Taiwans

Manchmal ist man einfach nicht King of the Road.

Wir haben es in Taitung trotzdem getan. Unsere Tour war über 60 Kilometer lang. Das zieht sich. Aber die Landschaft ist abwechslungsreich und es geht stetig an der Küste entlang. Nach 20 Kilometern mussten wir in einer Jugendherberge die Moped-Batterie wechseln. Das scheint üblich zu sein und ging reibungslos: alte Batterie abgeben, Neue bekommen, anschließend und umgerechnet 80 Cent auf den Tisch legen. Und schon sind wieder 30 Kilometer aufm Tacho.

Affentheater am Straßenrand

Ziel war eine Affenkolonie am Fluss Ma wu xi, vier Kilometer vom Küstenort Donghe entfernt. Hier spielen, springen und schwingen sich rund 30 Rundgesichts-Makaken durch die Gegend. Die Kollegen haben keinerlei Scheu vor Menschen. Einer war sogar dreist genug, an Janinas Hosenbein zu zupfen. Das ganze Sozialverhalten dieser Affen ist eindrucksvoll. Kinder springen von Ast zu Ast, Mütter tragen ihre Säuglinge durch die Gegend, Männchen lausen sich gegenseitig. Alles direkt am Straßenrand. Dafür nimmt man auch die Angst vor dem Sterben der Motorrad-Batterie auf dem Rückweg gerne auf sich. Wir haben es im 30-km/h-Geschwindigkeitsrausch gerade so zurück zur Batteriewechselstelle geschafft und erneut getauscht.

Taiwans Ostküste: Makaken bei Donghe

Ostküste Taiwans: Radelparadies Taitung

Taitung selber hat knapp über 100.000 Einwohner und ist frei von jeder Hektik. Wir waren noch immer ein bisschen geflasht von den Menschen- und Verkehrsmassen in Vietnam und genossen daher die fehlende Hektik und den entspannten Straßenverkehr (ohne Hupen!!). Von unserer Unterkunft ins Zentrum waren fünf Kilometer zu radeln – absolut kein Problem, denn es gibt breite Straßen und extra Radwege entlang grüner Gärten und Felder. Direkt am Nachtmarkt gibt es einen Carrefour-Supermarkt (offenbar die größte Supermarkt-Kette in Taiwan). Beides ergibt eine perfekte Kombination aus Einkäufen und Schlemmereien. Besonders gern naschten wir Round Cakes, gerne gefüllt mit Kimchi und Käse. Mehr dazu lest ihr in unserem Artikel über Taiwans Streetfood (den wir noch schreiben werden).

Roundcake an der Ostküste Taiwans

Der Entstehungsprozess des gemeinen Round Cakes. Lecker!

Eine richtig schöne Radroute führt entlang einer alten Bahnstrecke durch die Stadt. Vorbei an alten Haltestellen radelt man auf modernen Holzstegen fast bis zur Küste, um dieser ein Stück zu folgen und dann in den Forest Park einzubiegen, der direkt am Meer liegt. Gepflegte Wiesen, hübsche Teiche, breite Wege und Fahrrad-Tunnel machen diesen Park zu einem richtigen kleinen Erholungszentrum. An einem Badesee wurde gerade ein Triathlon vorbereitet, den wir am nächsten Tag unfreiwillig aus der Ich-Perspektive erleben sollten.

Taiwans Ostküste: Radtour Taitung

Eine Insel wie Irland

Dies geschah auf unserem Weg nach Green Island. Die Insel liegt rund 20 Kilometer vor der Ostküste Taiwans und beherbergte früher ein Gefängnis. Mit dem Fahrrad legten wir die zehn Kilometer von der Stadt zum Fährterminal zurück. Dabei gerieten wir mitten in den Triathlon und fuhren einträchtig mit den Athleten auf dem Standstreifen der Hauptstraße. Da die meisten Radler noch genug Puste zum Grüßen hatten, kam ich mir auf meinem klapprigen Damenrad gleich nicht mehr so albern vor.

Triathlon in Taitung an Taiwans Ostküste

Die Fähre ist leider sehr teuer (25 Euro für das Return-Ticket). Die Fahrt dauert eine knappe Stunde und kann ziemlich “holprig” sein. Wer Asiaten im Akkord kotzen sehen möchte, dem ist der Trip also doppelt zu empfehlen. Auf der Insel angekommen, hat man die Auswahl zwischen rund 20.0000 Motorrollern, die direkt am Hafen zur Leihe angeboten werden. Eine etwas dubiose Dame hat uns dann auch ein richtiges Benzin-Moped gegeben – ohne lästige Fragen nach einem Führerschein. Englisch kann da übrigens keiner.

Green Island vor der Ostküste Taiwans

Der schönste Ort ist voller Schwalben

Eine Inselumrundung dauert nicht lang (es sind etwa 18 Kilometer). Dennoch wurden uns die vier Stunden bis zur Rückfahrt der Fähre knapp, denn es gibt viel zu sehen. Mein absoluter Lieblingsort ist die Swallow Cave (Schwalbenhöhle). Dort waren nur sehr wenige Menschen, denn der Weg dorthin ist mit einem kleine Fußweg verbunden. Direkt an einem unfassbar schönen Strandabschnitt voller riesiger Felsen befindet sich diese gigantische Höhle. Hier fliegen tatsächlich Unmengen an Schwalben umher. Dieser Ort ist genauso beeindruckend wie idyllisch und einer meiner Lieblingsorte auf unserer kompletten Weltreise – definitiv aber der schönste an der Ösküste Taiwans.

Swallow Cave auf Green Island vor der Ostküste Taiwans

Tauchen, Baden, Staunen

Auf dem Rest der Insel fühlten wir uns wahlweise an Irland oder Neuseeland erinnert – zumindest an der Küste. Das Landesinnere ist bergig, bewaldet und wenig zugänglich. Am Meer finden sich jedoch wunderbare Felsformationen und sanfte grasige Hügel. Nur die Schafe fehlten. Zudem gibt es eine Menge Tauchschulen und heiße Quellen samt zugehörigem Thermalbad. Und alles macht dem Namen der Insel alle Ehre: grün.

Green Island vor der Ostküste Taiwans

Auf dem Rückweg, es war schon dunkel, waren einige der Triathleten noch immer unterwegs. Diesmal zu Fuß. Die armen Gestalten quälten sich auf den letzten Kilometern der Ironman-Distanz und konnten selbst auf unsere Anfeuerungsrufe kaum reagieren. Wir warfen uns ähnlich erschöpft ins Bett. Denn am nächsten Tag wartete schon Teil 2 unserer Reise an der Ostküste Taiwans – mit der atemberaubenden Taroko-Schlucht.

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