Vor einem Jahr noch hat mir das Wort „Wwoofing“ absolut nichts gesagt. Als eine Freundin fragte, ob wir auf der Weltreise auch wwoofen würden, guckte ich nur verständnislos. Heute kann ich stolz sagen: Wir sind unter die Wwoofer gegangen. Wir haben also auf Biofarmen für Kost und Logis gearbeitet. Und da sich das auf unserer Weltreise besonders in teuren Ländern lohnt, haben wir uns für unsere erste wwoofing-Erfahrung Kanada ausgesucht.

Erster Schritt: Mitglied werden

Zuvor haben wir allerdings noch gecheckt, ob das mit einem normalen Touristenvisum möglich ist. Nach kurzem Bangen vor dem Rechner, konnten wir aufatmen. Da es freiwillig ist, und nicht als Arbeit zählt, darf man mehrmals, aber nicht länger als vier Wochen am Stück auf einer Farm in Kanada arbeiten (das soll sich aber bald ändern; checkt das also nochmal, falls ihr dort auch wwoofen wollt). Jetzt konnte es also losgehen. Der erste Schritt, ein potenzieller Wwoofer zu werden ist allerdings erstmal, ein wenig tiefer in die Tasche zu greifen. Denn man muss sich auf der Website der Organisation (www.wwoof.ca) kostenpflichtig anmelden (65 Kanadische Dollar für uns beide). Und zwar ist das nicht einheitlich für die ganze Welt möglich, sondern man muss sich in jedem Land, in dem man auf Farmen arbeiten will, einzeln anmelden.

Auch auf einer Weltreise muss man sich bewerben

Gesagt getan! Wie auf jeder länderspezifischen wwoofing-Seite haben wir uns hier die verschiedenen Hosts in unserer Wunschgegend Vancouver Island angeschaut. Nachdem wir uns ein schönes Profil erstellt hatten, haben wir im Mai 2017 die ersten Bewerbungen für Oktober abgeschickt. Die Antworten kamen, wie auch bei Jobbewerbungen im “wahren Leben”, zum Teil schnell, manche haben sich Zeit gelassen und einige haben überhaupt nicht geantwortet.

Erste Farm, gleich ein Volltreffer

Wir hatten wirklich Glück! Unsere erste Zusage kam nur einen Tag nachdem wir uns beworben hatten. Das pensionierte Ehepaar Sally und Howard von der Glen Eden Farm auf Vancouver Island sollte unser erster Gastgeber werden. Wie sich schnell herausgestellt hat, haben wir mit den beiden auch gleich einen Volltreffer gelandet.

Gemütlich am Esstisch: Sally, Howard mit Jack und wir zwei.

Nach unserem zweiwöchigen Roadtrip durch Kanada machten wir uns von Vancouver aus auf den Weg zu ihnen. Ich hatte keine richtige Vorstellung von Vancouver Island, daher war ich überrascht als ich erfuhr, dass das vermeintlich kleine Inselchen vor der drittgrößten Stadt Kanadas gut 32.000 km² groß ist. Daher hat die Anfahrt auch einen guten halben Tag gedauert (von Vancouver zur Fähre, mit der Fähre rübergeschippert und dann nochmal mit einem Minibus zum Abholort). Doch es ging alles glatt und wir kamen halbwegs pünktlich im beschaulichen Örtchen Duncan an.

(Nicht ganz) Unsere kleine Farm

Dort sammelte uns unser anfangs etwas schweigsamer Gastpapa Howard wie abgemacht mit dem Auto ein und fuhr uns zur 20 Minuten entfernten Farm. Als wir das rustikale Holzhaus betraten, wurden wir sehr herzlich von seiner Frau Sally und einem gigantischen Labrador-Schäferhund-Mischling (oder so) namens Jack empfangen. Dass wir wirklich den Jackpot geknackt hatten, merkten wir, als uns Sally unser Zimmer zeigte. Ein großes Bett, Platz zum Verstauen unserer Sachen und alles gemütlich eingerichtet. Zur Krönung des Abends hat uns Sally mit ihren unglaublichen Kochkünsten verwöhnt. Für den nächsten Tag haben wir uns dann, sehr human, um 9 Uhr verabredet.
Nach einer erholsamen Nacht mit ausreichend Schlaf standen wir am nächsten Morgen, wie es sich für Deutsche gehört, pünktlich auf der Matte. Doch wo waren unsere Gasteltern? Die haben sich Zeit gelassen und tauchten erst etwas später auf. Die Wartezeit haben wir uns dann einfach mit frühstücken vertrieben. Ich muss schon wieder sabbern, wenn ich an Sallys selbstgebackenes Brot und selbstgemachtes Müsli denke. Doch dann ging es los. Normi wurde zum Komposthaufen schaufeln und ich zum Unkraut zupfen eingeteilt.

Wir mutieren zu Farmern

Insgesamt haben wir zwei Wochen auf der Glen Eden Farm verbracht. Knoblauch pflanzen, Tomaten ernten, Hühnerstall reinigen und jede Menge Unkraut zupfen – darin sind wir jetzt Profis.

Hoffentlich wird der von uns gepflanzte Knoblauch im nächten Jahr für reiche Ernte sorgen.

Wir haben sogar etwas am Stand der beiden auf dem Wochenendmarkt in Duncan geholfen. Normi hat sich dabei als Naturtalent im Verkauf entpuppt. Voll beladen mit tollen Erfahrungen und auch wieder mit unserem kompletten Gepäck, haben wir nach gut zwei Wochen genau auf diesem Markt Abschied von unseren lieb gewonnenen Gasteltern genommen.

Die zweite Farm ruft – mit jeder Menge Tieren

Da wir noch etwas länger auf Vancouver Island wwoofen wollten, haben wir uns für eine zweite Farm entschieden. Gut, dass uns die Tierärztin Hanna für 1,5 Wochen direkt im Anschluss zugesagt hatte. Die Anfahrt zu ihrer etwa 140 Kilometer weiter nördlich gelegenen Three Paws Farm in Funny Bay dauerte nicht allzu lang. Hier erwarteten uns zu meiner großen Freude jede Menge Tiere: Zwei Hunde, vier Katzen, 16 Hühner und vier Alpakas – und noch eine sehr liebe 19-jährige deutsche Wwooferin namens Maria.

Der frühe Vogel kann mich mal

Hier war es vorbei mit dem Ausschlafen. Um 7 Uhr hieß es zum Frühstück unten sein. Um diese Uhrzeit kann ich beim besten Willen noch nichts essen – anwesend war ich aber natürlich trotzdem. Was bei Hanna wirklich gut war, ist die Liste. Jeden Morgen schreibt sie nämlich genau auf, was getan werden soll. Schließlich muss sie gegen 8 Uhr los zur Arbeit in der Tierklinik. Dank unserer Mitwwooferin Maria, die schon länger dort war und wusste, wo alles ist, war das kein Problem. Am ersten Tag haben wir eine ungewöhnlich kreative bzw. handwerkliche Aufgabe bekommen: Anlässlich einer Halloween-Benefiz-Katzenrettungsstellen-Veranstaltung sollten wir Katzenmotive in Kürbisse schnitzen. Coole Sache, da wir beide noch nie im Leben Kürbisse geschnitzt hatten. Dank Vorlagen sind unsere Katzenkürbisse auch nicht schlecht geworden.

Kürbisse schnitzen erfordert Präzision und höchste Konzentration.

Hanna kam nachmittags wieder nach Hause und wir haben zu sechst (vier Menschen, zwei Hunde) eine kleine, etwas abenteuerliche Wanderung in der Gegend unternommen. Dabei spielten ein Flusslauf, Gummistiefel und Abrutschen vom Stein ein Rolle. Hollywood hat schon die Filmrechte angefragt. Der vorläufige Arbeitstitel dafür ist übrigens: Eiskaltes Wasser im Schuh. Wird bestimmt ein Blockbuster.

Arbeit zu dritt

Die nächsten Tage haben wir sowohl drinnen, als auch draußen gearbeitet. Neben den festen täglichen Aufgaben (Tiere füttern, Eier aus dem Stall sammeln etc.) haben wir zusammen mit Maria sehr fiese, dornige Brombeersträucher getrimmt, Gemüse geerntet, gebacken und Marmelade gemacht. Letzteres wollte ich schon immer einmal machen. Aber alter Verwalter, ist da viel Zucker drin.

Wwoofing fetzt

Vier Wochen Wwoofing gingen verdammt schnell vorbei. Es war eine sehr schöne Erfahrung und definitiv mal eine tolle Abwechslung zum ständigen Reisen. Im Durchschnitt haben wir 5-6 Stunden an fünf Tagen die Woche gearbeitet. Zwei Tage hatten wir pro Woche frei und konnten die riesige Insel etwas erkunden.

Wwoofing in Kanada: Hundedame Kaley von der Three Paws Farm auf Vancouver Island liebt es im Schnee zu tollen

Neben schmusen gibt es nur eine Sache, die Kaley noch mehr liebt: Im Schnee tollen.

Die letzten Tage Anfang November hat es tatsächlich schon geschneit, und zwar nicht zu knapp. Der Zeitpunkt, Kanada zu verlassen, hätte also nicht besser sein können. Schweren und bibbernden Herzens haben wir uns also von unserem Farmleben verabschiedet und sind zu unserem nächsten Weltreiseziel abgedüst. Aloha Hawaii!