Ziemlich genau zwischen Thailand und Vietnam liegt Laos, ein armes Land mit wunderbarer Natur und trauriger Geschichte. Wir haben aus Nord-Thailand kommend drei Wochen in Laos verbracht und sind dann nach Vietnam weiter gereist. Alles auf dem Landweg, und vorwiegend im Norden des Landes. Dort ist es bergiger und damit etwas kühler als im Süden.

Reiseroute durch Laos

Dies ist unsere Reiseroute durch Laos.

Burning Season nicht ideal

Dennoch ist der März keine ideale Reisezeit. Grund ist die Burning Season. Die Bauern in den Bergen brennen nach Ende der Ernte ihre Felder ab, um sie für die neue Saison klarzumachen. Leider entstehen dabei Unmengen an schlechter Luft, die wie ein Schleier über allem hängt. Es riecht unangenehm, beißt oft in der Nase und so richtig tief durchatmen möchte man am liebsten gar nicht. Auch die Aussicht ist nicht ideal, denn die Schwaden sind oft so dick, dass man auch auf Bergen nur wenige Kilometer weit sehen kann, wenn überhaupt.

Burning Season bei Luang Prabang.

Mit dem Slowboat auf dem Mekong

Dennoch ist Laos ein wunderschönes Land. Hier sind noch 50 Prozent der Wälder intakt. Man kann prima wandern (meistens ist es eher klettern, denn die Berge sind sehr steil und oft zerklüftet). Ein Highlight gab es gleich zu Beginn: eine zweitägige Fahrt mit dem Slowboat den gigantischen Mekong runter. Wir hatten die thailändisch-laotische Grenze bei Huay Xai überquert, einer Stadt direkt am Fluss. Hier starten jeden Tag zwei Boote nach Luang Prabang, der größten und wohl auch schönsten Stadt im Norden von Laos.

Nach einer Nacht im Ort enterten wir früh morgens eines der Boote. Rund 50 Leute fanden darauf Platz. Auf ausrangierten Autositzen geht die Fahrt durch eine wunderschön waldige, abgelegene Berglandschaft. Ab und zu fährt man an Dörfchen vorbei, aus denen Kinder winken und manchmal Passagiere abgeholt werden. Am Ufer grasen Wasserbüffel und alles ist einfach friedlich. Wir hatten jedoch das Pech, auf dem “Partyboot” gelandet zu sein. Hier gab es eine Gruppe junger und sehr trinkfester Briten. Und wie die gesoffen haben! Acht Stunden Fahrt durchgängig mit Bier in der Hand, dazu sieben Flaschen Thaiwhisky gelehrt – was der Brite zu leisten imstande ist… Ein bisschen wie eine Soap-Opera auch, denn wir hatten eh nicht viel zu tun und ergötzten uns an der Gruppendynamik samt (halb)starken Anbandelungsversuchen.

Am Ufer machten wir ab und zu an kleinen Dörfchen halt. Kinder kommen ins hüfthohe Wasser und verkaufen Armbänder.

Pak Beng: Ein Ort lebt für Bootsinsassen

Die Nacht verbringt man auf dieser Reise in Pak Beng, einem kleinen Ort direkt am Fluss. Der gesamte Tagesrhythmus hier scheint nur auf die bootfahrenden Touristen ausgelegt zu sein: Leute am Pier abholen, in die ganzen Guesthouses verteilen, verköstigen und (zumindest im Falle der wenigen immer noch standfesten Briten) Karaoke und Bier feilbieten. Am Morgen werden alle ausgecheckt, an zahlreichen Ständen mit Proviant für die Reise versorgt und verabschiedet. Dann heißt es den Tag über chillen, bis die nächste Baggage eintrifft. Alltagsroutine andersrum.

Am zweiten Tag gingen wir besonders früh zum Pier, um das ruhigere Boot zu erwischen. Entsprechend relaxt kamen wir nach weiteren sieben Stunden Mekong-Fahrt in Luang Prabang an. Neuerdings halten die Boote nicht mehr im Ort, sondern rund fünf Kilometer vorher. Die Taximafia will schließlich auch ihren Anteil. Ein paar idealistische Franzosen versuchten, alle Bootsinsassen zum Sitzstreik zu bewegen, um die Weiterfahrt ins Zentrum zu erzwingen. Auch ihnen blieben die umgerechnet zwei Euro fürs Taxi am Ende nicht erspart.

Kultur in Luang Prabang

Luang Prabang hat knapp 50.000 Einwohner, wirkt aber dank zahlreicher Touristen ein bisschen größer. Es gibt einen atmosphärischen Nachtmarkt mit vielen Essgelegenheiten. Interessantweise scheinen die laotischen Händler nicht viel von Konkurrenz zu halten, denn sie bieten alle das Gleiche an. In der Essensecke sind alle Speisekarten gleich, in der Stoffecke alle Stoffe, in der Souvenirecke alle Souvenirs. Klar gibt es auch exotische Ausreißer und in einer schmalen Gasse am Rand kann man auch so richtig abgefahrenes Zeug essen. Das meiste davon sind irgendwelche frittierten Innereien. Hier geht es gleich viel laotischer zu.

Wir verbrachten vier Tage in Luang Prabang, unternahmen eine Tour zum paradiesischen Kuang-Si-Wasserfall und besuchten einen laotischen Geschichtenabend mit traditioneller musikalischer Begleitung. Die dafür verwendete “khaen” ist ein relativ komplexes Blasinstrument, das an eine doppelte Panflöte erinnert. Gespielt wurde sie von einem uralten Mann, der sich prima mit dem etwas jüngeren Erzähler ergänzte. Auch die Legenden waren wunderbar märchenhaft vorgetragen. Manchmal fiel es uns aufgrund des Akzents schwer, den Geschichten zu Folgen.

Die Kuang-Si-Wasserfälle sind ein wahres Paradies. Schwimmen erlaubt!

Das meistbombardierte Land der Welt

Eher zufällig gerieten wir in ein Museum über nicht explodierte Bomben aus dem Vietnamkrieg. Weil die Vietcong den Ho Chi Minh Trail im neutralen Laos für Nachschubrouten nutzten, bombten die Amerikaner hier alles kurz und klein. Auf jeden Laoten kommen 2,5 Tonnen abgeworfene Bomben 30 Prozent davon blieben als Blindgänger im Boden. Kein Land wurde je schlimmer zerbombt. In den letzten Jahrzehnten wurden tausende Laoten durch deren Explosionen verstümmelt oder getötet. Heute gibt es große international finanzierte Aufklärungs- und Räumkampagnen. Die Amis sind daran leider kaum beteiligt.

Reiseroute durch Laos

Im “Bombenmuseum” von Luang Prabang.

Wilde Kajaktour in Luang Namtha

Danach wichen wir von der Standard-Backpackerroute ab. Die geht nämlich weiter nach Süden in den Partyort Vang Vieng. Wir wandten uns hingegen nach Norden. Ein Kleinbus brachte uns auf verschlungenen Straßen nach Luang Namtha. Die Fahrt dauerte sieben Stunden. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte wasserfeste Tüten bereit halten. Wer eher ein empfindliches Gemüt hat, der … naja, der hat keine Chance, denn der Umgang mit Gaspedal und Lenkrad und waghalsigste Überholmanöver machen dem europäischen Sicherheitsempfinden ganz schön zu schaffen.

Luang Namtha steckt nicht wirklich voller Highlights und wir nahmen uns vor, künftig doch präventiv ein paar Infos über unsere Ziele einzuholen. Es gibt aber einiges zu tun für Outdoor-Sportler. Wir unternahmen eine wirklich aufregende Kajaktour durch einen Fluss voller Stromschnellen inklusive Besuch in einem Dorf des Bergvolks der Khmu. Dort sitzt noch ein Schmied unter einem Verschlag und hämmert auf glühende Macheten-Rohlinge ein. Strom gibt es erst seit fünf Jahren. Überall laufen Hühner und andere Haustiere herum. Etwa Zusatzeinkommen verschaffen sich die Dorfbewohner durch illegale Wilderei, wie das Dorfoberhaupt gegenüber unserem Guide freimütig erzählte. Vor allem Affen werden gerne gejagt. Der Rest der Paddeltour war leider für Janina eher unangenehm. Denn sie saß vorn und von Zeit zu Zeit ließ es sich nicht vermeiden, dass wir in einer Stromschnelle einen Ast voller Spinnen streiften. Die entsprechende Phobie tat ihr Übriges. Insgesamt war es dennoch ein wildes, tolles Erlebnis.


Unser Laos-Highlight: Nong Khiaw

Ein ebenfalls rund siebenstündige Kleinbusfahrt brachte uns nach drei Tagen in Luang Namtha nach Nong Khiaw. Dieser Ort liegt abgelegen an einer wunderschönen Stelle zwischen schroffen Bergen an einem ruhigen Fluss. Das Essen ist sehr gut und es gibt tolle Ausflugsziele. Zwei Berge in unmittelbarer Nähe des Ortes können bestiegen werden. Unserer war sehr anstrengend, aber es lohnte sich wirklich. Das definitive Highlight hier ist ein Ausflug zu den 100 Waterfalls. Man steigt etwa eine Stunde lang einen wunderschönen Wasserfall nach oben, teilweise an Seilen. Die meiste Zeit platscht man dabei durch knöcheltiefes Wasser. Gerade an heißen Tagen ist das einfach ideal. Oben wartet eine erfrischende Dusche.

Muang Ngoi Abgelegener geht’s kaum

Etwa eine Boots-Stunde nördlich von Nong Khiaw liegt Muang Ngoi, ein sehr idyllisches Dorf, das nur durch Boote erreicht werden kann. Eine Straße (oder besser ein holpriger Schotterweg) ist offenbar im Bau. Hier verbrachten wir zwei Nächte und versprachen uns viel Ruhe – doch Pustekuchen. Neben unserem Bungalow am Fluss feierten Laoten eine wilde Karaokeparty bis sechs Uhr morgens. Und der Mangel an internationalen Top-Stars lässt es erahnen: der Durchschnitts-Laote kann wirklich nicht gut singen.

Reiseroute durch Laos - Muang Ngay

Aussicht von unserem Guesthouse in Muang Ngay.

Dennoch ist Muang Ngoi definitiv einen Abstecher wert. Wir besichtigten unter anderem zwei Höhlen, in denen sich die Einwohner vor amerikanischen Luftangriffen im Vietnamkrieg versteckten. Eine davon war riesig, vollkommen unbeleuchtet und es war kein Mensch weit und breit. Ich ging etwa 100 Meter hinein und traute mich aufgrund niedrigen Handyakkus und somit Lichtmangels dann doch nicht bis zum Ende – wenn es jemals gekommen wäre. Außerdem roch es dort irgendwie nach Pumapisse.

Danach unternahmen wir eine unglaublich lange Fahrt mit einem klapprigen Bus nach Norden zur vietnamesischen Grenze. Hier endete unser Laos-Abenteuer zugunsten ausgedehnten Reisanbaus und schrulliger Bergmuttis. Doch das ist schon eine Geschichte aus unserer Reiseroute durch Vietnam.

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