Ich habe mal überschlagen: Unsere Weltreise beinhaltet mindestens 15 Flüge. Viele davon sind Langstreckenflüge. Allein von Dresden nach Kuba saßen wir fast elf Stunden im Flieger. Für die meisten Menschen ist das nicht toll, aber die Unannehmlichkeiten beschränken sich oft auf enge Sitze, Langeweile, Jetlag oder Kopfschmerzen.

Ich hingegen habe Flugangst. Je länger ein Flug, desto schlimmer. Beim Start sage ich mir, je schneller wir Höhe machen, desto besser, denn dann können die Piloten eventuell noch reagieren, wenn etwas passiert. Bei Turbulenzen kralle ich mich mit feuchten Händen in meine Armlehnen und male mir die schlimmsten Szenarien aus. Ist der Flug ruhig, dann erwarte ich sekündlich den Katastrophenfall und bin entsprechend angespannt.

Gerade bei Nachtflügen, wenn alle um einen herum schlafen und man selbst kein Auge zumacht, ist das sehr unangenehm. Wie können all diese Menschen die Gefahr nicht erkennen? Es muss nur eine der fünf Millionen Komponenten in diesem gigantischen, diffizilen Apparat ausfallen (na gut, vielleicht zwei), und schon geht es abwärts.

Erkennt denn keiner die Gefahr?

Den Gedanken, in einer Röhre aus Metall in einer absolut lebensfeindlichen Umgebung gefangen zu sein, kann doch niemand gut finden, oder? Und doch gibt es Menschen wie Janina, die völlig entspannt sind, Turbulenzen kaum zur Kenntnis nehmen und in völligem Vertrauen in Flugzeug und Piloten einfach einschlafen, wenn sie müde sind. Keine Ahnung, wer von uns beiden verrückter ist, aber beneidenswert finde ich es auf jeden Fall.

Vielleicht brauchen diese arglosen Schäfchen ja nur einen Schockmoment, um zu begreifen, in was für einer Gefahr man da oben schwebt. Bei mir war es jedenfalls so. Mein erster (und lange Zeit einziger) Transatlantikflug im Jahr 1997 wurde kurz nach dem Austeilen von Getränken unerwartet von heftigsten Turbulenzen erschüttert. Ich habe noch vor Augen, wie der Inhalt meiner Tasse in der Luft stand, bevor er mir in den Schoss klatschte. Und das war erst der Anfang eines minutenlangen Martyriums inklusive schreiender Menschen und meiner ersten Erfahrungen mit Todesangst.

Seitdem bin ich unzählige Male geflogen. So schlimm wurde es nie wieder, aber hin und wieder wackelt, klappert und schwankt es nun mal. In diesem Wissen habe ich immer schon vor dem Einsteigen feuchte Hände, die den ganzen Flug über so bleiben. Nicht nur die geringe Luftfeuchtigkeit in der Kabine sorgt also für Flüssigkeitsmangel. An Schlaf ist nicht zu denken und auch Essen braucht man mir in den meisten Fällen nicht hinstellen. Das ganze ist für mich wie schwere Arbeit und ich bin sehr froh wenn sicher gelandet und wieder ein Flug überlebt wurde. Dann habe ich aber wenigstens etwas Anstrengendes getan und der Urlaub fühlt sich noch viel berechtigter an.

Flugs informiert

Ich bin ein rationaler Mensch und deshalb weiß ich, was mir jeder predigt, mit dem ich über dieses Thema spreche und der nicht selbst Flugangst hat: Fliegen ist die sicherste Art des Reisens. Normalerweise halte ich dann dagegen, das WENN mal etwas passiert, die Überlebenschancen im Flugzeug am kleinsten sind. Es bleibt jedoch die über alles erhabene Statistik: Bei tausenden Flügen jeden Tag auf der ganzen Welt gibt es extrem wenige Zwischenfälle.
Auch eine Reihe weiterer Maßnahmen helfen mir mittlerweile, den Lufttransport zu überstehen. So informiere ich mich immer vorher über das Sicherheitsrating der Airlines, den Flugzeugtyp mit seinen Macken und Unfallstatistiken und über das Flugwetter und die zu erwartenden Turbulenzen.

Minimal besser fühlte ich mich auch nach einer etwas ausgiebigeren Recherche über die physikalischen Prozesse während des Fliegens und über die technischen und organisatorischen Sicherheitsvorkehrungen (auch wenn die ganzen vorgetanzten Rettungswesten- und Atemmaskenübungen nicht gerade das Gefühl von Sicherheit vermitteln). Hilfreich fand ich auch die Info, dass Turbulenzen besonders vorne und hinten zu spüren sind. Wer auf Höhe der Flügel sitzt, spürt davon weniger, weil das Flugzeug quasi um diese Stützpunkte „herumrotiert“, wenn es turbulent wird. 

In letzter Zeit genehmige ich mir auch öfter Mal ein Schnäpschen zur Beruhigung. Ein Zeichen, dass es eventuell doch langsam besser wird. Bei dem was wir jetzt vorhaben, könnte das aber auch in den Alkoholismus führen. Früher wollte ich all meine Sinne für den möglichen Notfall zusammen haben. Von härteren Beruhigungsmitteln, wie sie mir ein ebenfalls betroffener Kumpel empfiehlt, lasse ich jedoch die Finger.

Der simpelste Trick: Einfach buchen und sich erst später Gedanken um das Flugelend machen. Denn wenn man einmal am Flughafen steht, hat man keine Wahl. Und schließlich gibt es nun Mal keine sinnvollen Alternativen, wenn man so gerne reist wie ich.